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Liebe Homepage-Besucher,
unter dieser Rubrik - Kenjis Themen - möchte ich gern
zu den verschiedensten Dingen meine Gedanken
niederschreiben.
Ich möchte euch an meinen Ansichten, Ideen und
Eingebungen teilhaben lassen und hoffe, dass es für euch
von Interesse ist und euch vielleicht auch weiterhilft.
Circa jeden Monat soll ein neuer Text in dieser Rubrik
erscheinen.
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Kokyuho Atmung
Menschliches Leben ist immer mit Atmung verbunden. Es heißt in Japan auch, dass je nach
Atmungsqualität das Leben hell und leuchtend oder dunkel und düster ist. Das ist leicht nachvollziehbar.
Aber wie soll eine gute Atmung sein?
Ich habe vor 33 Jahren mit Aikido begonnen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in vielen Aikidotechniken
das Wort Atmung enthalten ist. Aber ich habe dabei lange Zeit nicht den Zusammenhang zwischen den
Techniken und der Atmung gesehen. Dabei wird die Technik Tachiwaza-kokyuho (Atemkrafttechnik
im Stehen) als Grundlage für viele Aikidotechniken angesehen. Ihr früherer Name war Hiriki no yosei.
Es gibt auch noch Aikidorichtungen, bei denen diese Bezeichnung benutzt wird.
Aber im Unterricht wird bei diesen Techniken (Tachiwaza-kokyuho) die Atmung, bzw. die Atemtechnik
nicht gelehrt. Es wird Wert gelegt auf Schwerpunkt, Schwerpunktverlagerung, Mittelachse, Ellenbogen-
haltung usw. Das ist zwar kein Atemtechnikunterricht, aber richtige Haltung, Schwerpunkt usw. sind
Voraussetzung, sie bewirken eine gute Atmung. Das sehe ich aber jetzt erst ganz klar.
Am Anfang, als ich in Japan bei Meister Tada mit Aikido begonnen habe, stand Kokyu-soren (Abfolge
von Atemübungen) stark im Vordergrund. Er hat auch die „Atemführung“ im Körper unterrichtet:
durch die Füße einatmen und durch die Hände ausatmen.
Später habe ich im Ichikukai-Dojo bei Misogi-Übungen weitere Erfahrungen gesammelt.
Misogi bedeutet iki o migaku - den Atem polieren / putzen / reinigen.
Zum einen habe ich dort Okinaga- und Nagayo-Atmung geübt. Bei diesen Atemübungen soll langsam
durch die Nase eingeatmet, der Atem zum Unterbauch geführt und dann eine Weile im Unterbauch
angehalten werden. Danach wird die Luft lange und ruhig durch den offenen Mund mit einem leisen
Ha-Laut ausgeatmet.
Leider war meine Ausatmung nicht so ruhig und flüssig wie bei den fortgeschrittenen Schülern. Ich habe
bei der langen Ausatmung gestockt, sozusagen gestottert. Meine Atmung war nicht geschmeidig sondern
schwach. Warum, das war mir aber nicht klar.
Gleichzeitig zu der langen, ruhigen Atmung wird beim Misogi auch eine kurze, kräftige Atmung mit Hilfe
des Mantras toho kami emi tame geübt. Da die Atmung dabei kurz ist, war das für mich kein Problem.
Nach den ersten intensiven dreitägigen Lehrgang war zwar meine Stimme weg und mein Körper müde,
aber in mir war ein neues Gefühl geboren. Ich fühlte mich sehr wohl, erquickt und mutiger und innerlich
hell und leuchtend. Daraufhin habe ich, so oft es mir möglich war, an Misogi-Lehrgängen teilgenommen.
Ich hatte aber mit der langen Atmung weiterhin Probleme und deshalb besonders viel geübt. Dadurch
sind bei mir noch mehr unklare Punkte und Fragen aufgetaucht:
Warum sollen bei Kokyu-soren die Schultern locker, der Aftermuskel geschlossen und Kraft in den
Unterbauch gelegt werden? Wenn man Kraft in den Unterbauch legt, wird doch das Zwerchfell fest
und die Atmung dann dadurch behindert. Und fördert das nicht auch Hämorrhoiden und Leistenbruch?
Außerdem heißt es auch immer, dass es gefährlich ist den Atem anzuhalten, da sich im Kopf ein zu
starker Druck aufbauen kann und die Brust hart wird. Es war alles unklar und ich war sehr unzufrieden.
Vor einiger Zeit habe ich das Buch von Dr. Nobuo Shioya, eines über 100-jährigen Japaners gelesen.
Dadurch wurde mir vieles klar. Er beschreibt die Atmung folgendermaßen:
Beim Einatmen soll, von der Vorstellung her, der Atem nur in einem kleinen Punkt in der Mitte des
Unterkörpers/Unterbauchs konzentriert /komprimiert werden. Nur in diesen Punkt soll Kraft gelegt
werden.
Um auch in den unteren Bereich der Lungenflügel gut Luft einatmen zu können, soll der Aftermuskel geschlossen werden.
Das Atemhalten soll auch nur so lange durchgeführt werden, wie es angenehm ist und bevor es
unangenehm wird, soll ausgeatmet werden.
Diese Erklärungen haben mir die ruhige, lange Atmung verständlicher gemacht. Und so ist mir die
Okinaga-Atmung zu einem Quell der Freude geworden. Viele verschiedene Atemtechniken
und Atemübungen sehe ich jetzt als eine Form der Misogi-Atmung an.
Mai 2010, Kenji Hayashi
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Ashisabaki - Fußbewegungen
Durch Ashisabaki-Übungen wird der Körper gut ins Gleichgewicht gebracht und dadurch geschützt.
Außerdem wird geübt, sich genau nach den eigenen Vorstellungen zu bewegen.
Natürlich sind wir fähig stehen zu bleiben, zur Seite oder nach vorne zu gehen, uns umzudrehen usw.
Aber wir haben oft eingefahrene Bewegungsmuster, die den Körper negativ beeinflussen.
Beispielsweise rollt der Fuß beim Gehen fälschlicherweise zu sehr auf der Fußaußenkannte ab
oder der Schwerpunkt liegt in der Füßen jeweils an unterschiedlichen Punkten, so dass ein wackeliger,
hin- und her schwingender Gang entsteht. Oft ist auch unser Reaktionsvermögen schlecht.
Das hat zur Folge, dass unsere Bewegungen unnatürlich, unkoordiniert und damit chaotisch sind.
Solche Bewegungsmuster sind durch verschiedenste Beeinflussungen und meist über einen längeren
Zeitraum hinweg entstanden.
Die Ashisabaki-Fußbewegungen beim Budo werden in einer festen Reihenfolge (kata) durchgeführt
und sind insofern auch nicht natürlich. Aber durch viel Üben werden die Fußbewegungen mit der Zeit
automatisch durchgeführt und dadurch wieder zu natürlichen Bewegungen.
Unsere Füße werden durch unser Denken in Bewegung gesetzt, durch unser Gehirn, das wie eine Art
Motor unseren Körper in Bewegung setzt. Vom Kopf aus geht ein Befehl durch das motorische
Nervensystem zu den Fußmuskeln hin.
Die Füße andererseits fühlen. Sie fühlen Unebenheiten, Glätte, Weichheit, Nässe usw. Diese
Empfindungen werden dann durch Nerven zum Gehirn hin übermittelt, das dann wiederum unsere
Bewegungen beeinflusst.
Deshalb ist bei den Ashisabaki-Fußbewegungen eine gute Hirnaktivität wichtig und ausschlaggebend
für unsere Bewegungen. Durch die festgelegte Bewegungsabfolge wird Exaktheit und Ausdauer geschult
und gleichzeitig wird auch die Hirn- und Nervenaktivität gefördert.
Ich kann auch aus meiner Erfahrung sagen: wenn ich bei den Ashisabaki-Übungen auf Kumbahaka achte,
sind die Bewegungen besser und effektiver und negative Gedanken wandeln sich ins Positive.
Da sich die Konzentration auf die Füße richtet, werden die Durchblutung und der Ki-Fluss unterstützt,
so dass der Kopf klar und frei wird.
Solange die Fußbewegungen noch nicht automatisch durchgeführt werden, sind die Bewegungen
holprig und unharmonisch. Unsere Füße verhalten sich dann wie ein Pferd, das noch nicht gelernt hat
beim Befehl Stopp stehen zu bleiben und auf Befehl weiterzugehen. Wenn dann der Ablauf der
Fußbewegung klar geworden ist, setzt die Suche nach einem Rhythmus in den Bewegungen ein.
Bei einem guten Rhythmus gefunden hat, fühlt sich der Körper leicht und frei an, die Bewegungen
fließen automatisch und natürlich und im Körper ist ein guter Ki-Fluss spürbar.
Dieses Spüren des Ki im Körper ist das eigentliche Ziel von Ashisabaki.
April 2010, Kenji Hayashi
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Kumbahaka (Teil 4) - Aftermuskel schließen
Tempu Nakamura hat immer wieder davon gesprochen, wie wichtig ein geschlossener Aftermuskel ist.
Darum sollten dafür immer wieder Übungen durchgeführt werden, so dass der geschlossene Aftermuskel
zu einem normalen Zustand wird.
Wenn der Aftermuskel nicht richtig geschlossen ist, dann kann sich, auf Grund der Gesetzmäßigkeiten
im Körper, im Unterbauch keine Kraft entwickeln. Diese Zusammenhänge sind für viele aber nicht
spürbar und damit nicht nachvollziehbar.
Ich persönlich übe zum Beispiel vor dem Duschen, mit nacktem Oberkörper, Kumbahaka.
Dabei achte ich sehr darauf, dass ich die Schultern nach unten senke und dass der Körperschwerpunkt
auf dem Großen Zeh-Ballen liegt. In dem Moment des bewussten „Aftermuskelschließens“ ist dann
eine Muskelbewegung im ganzen Körper spürbar, mit dem Bauchnabel als Mittelpunkt der Bewegung.
Der Bauch soll sich dabei aber nicht nach innen ziehen.
Bei Kumbahaka sind Muskeln spürbar, die für sich selber nicht ohne weiteres sichtbar sind, wie der
Aftermuskel, Beckenmuskel, Rücken- Schulterblatt- und Schultermuskel, und der rückseitige
Oberschenkelmuskel.
Durch Kumbahaka-Übungen entsteht ein besseres Balancegefühl im Körper, da die Muskelbewegungen
in der Körpermitte, die Verspannungen von Lenden- und Kreuzbeinwirbel lösen und so die Wirbel in ihre
vorgesehene Position gleiten können. Dadurch wird der Schwerpunkt im Körperzentrum gestärkt und in
Verbindung damit der gesamte Körper.
Laut Tempu Nakamuras Anweisungen soll man Kumbahaka auch üben, wenn man im Bett liegt.
Das ist für mich nicht einfach, denn wenn ich liege, habe ich leider nicht den „natürlichen Kumbahaka-
Zustand“. Deshalb mache ich jetzt vor dem Schlafen Atemübungen. Ich habe damit angefangen,
von der Vorstellung her, durch den Aftermuskel zu atmen und festgestellt, dass dadurch meine Atmung
tiefer geworden ist. Außerdem hat sich dabei automatisch der Aftermuskel geschlossen.
Wenn man dann beim Atmen mit dem eigenen Finger einen leichten Druck auf den Unterbauch ausübt,
merkt man, dass auf natürliche Weise eine Spannung im Unterbauch entsteht.
Mit dieser Vorstellung zu atmen war für mich eine neue Erfahrung. Wenn ich jetzt aufwache, beginne ich
mit Atemübungen mit Konzentration auf den Aftermuskel. Für mich ist dieses tägliche Kumbahaka zu
einer täglichen Freude geworden.
Bei den Kumbahaka-Übungen ist besonders auf den Punkt 3.) - im Unterbauch Kraft sammeln - zu
achten. Man darf dabei nicht selber, durch Anspannung, Kraft in den Unterbauch legen. Die Kraft und
Spannung müssen durch die Kumbahaka-Übungen von selbst entstehen.
Wenn durch bewusste Anspannung Kraft entsteht, werden die Organe nach unten gedrückt.
Das hat aber sehr negative Auswirkungen auf die Gesundheit.
März 2010, Kenji Hayashi
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Kumbahaka (Teil 3) Schultern entspannen und Tategi-uchi
Durch Tempu Nakamuras Kumbahaka-Methode ist es möglich, starke Reiz- und Erregungszustände
zu beeinflussen. Das können zum Beispiel Hitze, Kälte, Schmerz oder einen ein Schock durch Unfall,
Feuer oder eine plötzliche Krankheit sein. Ebenso bewirkt Kumbahaka eine Änderung einer negativen
Stimmungslage, wie Angst, Kummer, Ärger oder Stress.
Kumbahaka beinhaltet:
1.) den Aftermuskel schließen
2.) verspannte Schultern lockern und die Schultern nach unten fallen lassen
3.) im Unterbauch Kraft sammeln
Das hört sich nicht schwer an. Bei der Durchführung zeigt sich aber, dass es doch nicht so einfach ist,
bzw. dass man es erst bei richtiger Anwendung tiefgehender verstehen kann.
So ist mir in letzter Zeit klar geworden, dass ich, bezogen auf Punkt 2, zwar die Schultern entspannt,
aber dennoch oben gehalten habe. Im Alltag passiert es uns häufig, dass wir unbewusst die Schultern
Stück für Stück hochziehen und anspannen. Es besteht die Gefahr, dass das zu einer Angewohnheit
wird und dann die Schultern ständig hochgezogen sind.
Vor zwei Jahren bin ich in Japan gewesen und Mitglied des Jigenryu Kenjutsu Dojo geworden.
Dort habe ich Suburi (Schwertschlagen) und Tategi-uchi (mit einem Holzschwert schräg von oben
auf einen stehenden Holzstamm schlagen) geübt.
Während des Unterrichts wurde ich auf interessante Bewegungsfeinheiten hingewiesen und korrigiert.
Es waren neue, interessante Aspekte, die ich vorher auf Video und Foto nicht erkennen konnte.
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Das Jigenryu Kenjutsu Dojo in Kagoshima (Südjapan).
Auf dem Foto ist der schon viel benutze Tategi zu sehen. |
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So sollte ich mit einem dicken Holzschwert mit aller Kraft
Tategi-uchi schlagen.
Dabei müssen die Hände den Griff des Holzschwerts
während des Schlagens nach innen drehend(wringend)
umfassen. Wenn die Technik nicht richtig durchgeführt
wird, geht ein Schock durch die Hände zu den Schultern
hin und das Schwert springt unkontrolliert zurück.
Gleichzeitig mit dem Schlag soll man so laut wie möglich
schreien. |
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Es war für mich sehr schockierend, feststellen zu müssen, dass ich meinen Körper doch nicht so gut
und genau kontrollierte und bewegte, wie ich dachte.
Wenn fortgeschrittene Schüler geschlagen haben, waren der Laut des Schwertschlags und die Stärke
der Stimme anders als bei mir. Für mich war es das erste Mal, so schnelle Schläge zu sehen und so
laute Stimmen zu hören. Warum war das so? Mit diesem Problem bin ich zurück nach Deutschland
gefahren, habe mir in meinem Dojo einen Holzstamm aufgestellt, Schlagen geübt und über das Problem
nachgedacht.
Dabei ist mir aufgefallen: wenn beim Schlagen das Shibori, das Wringen der Hände, nicht richtig
ausgeführt wird und auch die Ellenbogen nicht senkrecht nach unten zeigen und außerdem beim Schlag
die Schultern hochgehen und dazu die Schulter der vorderen, am Schwertgriff liegenden Hand, nach
vorne geht, dann pflanzt sich der Schock vom Aufprall durch den Arm in das Genick fort.
Dadurch verspannt sich dann der Hals und die Stimme kann nicht volltönend und stark werden.
Wenn ich Shibori richtig durchführte, die Ellenbogen dicht am Oberkörper hielt (waki o shimeru),
und beide Schultern unten waren, dann war mein Schlag sehr kräftig und meine Stimme laut.
Gleichzeitig habe ich gespürt, dass ich dabei den Aftermuskel gut geschlossen hatte und ich fühlte
Kraft in meinem Unterbauch. Mit diesen Erfahrungen habe ich Tempu Nakamuras Kumbahaka-Texte
noch einmal gelesen und überdacht. Dabei bin ich besonders auf die Stelle aufmerksam geworden,
in der Tempu Nakamura schreibt, dass es wichtig ist, die Schultern zu entspannen und nach unten
fallen zu lassen.
Was passiert medizinisch gesehen, wenn wir die Schultern entspannt und locker halten und nach unten
sinken lassen? Dann senkt sich auch das Zwerchfell. Anders gesagt, wenn die Schultern hochgezogen
werden, geht auch das Zwerchfell nach oben. Dadurch wird die Atmung behindert. Das bedeutet, wenn
die Schultern entspannt sind, kann die Atmung besser fließen und sich die Stimme gut entfalten.
Ebenso wirkt sich die Zwerchfellbewegung auf den Solarplexus, ein Geflecht von Nervenfasern, aus.
Laut Tempu Nakamura ist der Solarplexus auch ein Punkt, in dem sich die Lebensenergiekraft, die
Ki-Kraft, ansammelt. Es gibt im Körper noch weitere solche Nervengeflechte, bzw. Energiesammel-
punkte. Im traditionellen Budo heißen diese Punkte Kyusho.
Diese Nervengeflechtpunkte sind sehr sensible und empfindliche Stellen.
Der Solarplexus ist der größte Punkt. Von dort wird Ki zu den verschiedenen anderen Punkten geschickt,
wie bei den Meridianen. Ein Stoß in den Solarplexus hat eine sehr starke Wirkung und kann sehr
gefährlich sein.
Aber so ein Stoß hat nicht nur eine physische Wirkung sondern auch eine psychische, da sich der Fluss
der Lebenskraft vermindert. Dieser Aspekt ist wichtig, um zu verstehen, dass Tempu Nakamura beim
Kumbahaka von einer „beruhigenden Wirkung“ spricht.
Februar 2010, Kenji Hayashi
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Kumbahaka (Teil 2)
Beim Taido-Unterricht spreche ich sehr viel von „Aftermuskel schließen“, und von
„Kraft in den Unterbauch legen“ und von „Schultern locker halten“, ganz besonders
bei den Atemübungen.
Diese Techniken habe ich bei Meister Tada und somit indirekt von Meister Tempu Nakamura gelernt.
Wie schon in Teil 1 gesagt, hat Tempu Nakamura sein Kumbahaka als eine Methode beschrieben, mit
der das Nervensystem ins Gleichgewicht gebracht wird. Das beinhaltet eine von ihm entwickelte, neue
Kumbahaka-Technik, da eine darauf bezogene Erklärung in Yogabüchern nicht zu finden ist.
(Das ursprüngliche Kumbahaka entstammt aus dem Yoga.)
Unser Körper besteht aus Knochen, Muskeln, Organen, Hormonen und Nerven. Dabei bilden die
Nerven ein Netzwerk und verbinden so die gesamten Körperteile.
Unser Kopf ist die Nervenzentrale, von dort aus gehen die Befehle über das vegetative (unwillkürliche)
und das motorische (willkürliche) Nervensystem zu allen Körperteilen.
Das vegetative System steuert verschiedene innere Körperaktivitäten, ohne dass unser Wille daran
beteiligt ist, z.B. Herzschlag oder Verdauung. Das motorische Nervensystem steuert alle willentlichen
Muskelbewegungen.
Wenn das motorische Nervensystem gestört ist, sind auch unsere Bewegungen gestört.
Wenn das vegetative Nervensystem beeinträchtigt ist, ist auch die Funktion der Organe und Hormone
beeinträchtigt. Das alles kann eigentlich jeder aus seinem persönlichen Empfinden und seiner
Körpererfahrung her bestätigen. Ebenso ist es gut nachzuvollziehen, dass die persönliche Gefühlslage
sich auf die Nerven auswirkt und dadurch Reaktionen hervorgerufen werden. Zum Beispiel wird man rot,
wenn man sich schämt, bei Angst beginnt der Körper zu zittern oder man schwitzt, bei Stress und Ärger
verspannen sich Schultern, Arme und Hände, bei Sorgen leidet man vielleicht unter Appetit- und
Schlaflosigkeit oder auch unter Bauchschmerzen.
Die gegenseitige Beeinflussung von Nerven und Körper möchte ich mit den beiden folgenden Kreisläufen
veranschaulichen:

Kumbahaka ist ein Mittel, um den negativen Kreislauf in einen positiven umzuändern.
Durch einen Unfall oder einen plötzlichen Todesfall können auch positive, gesunde Menschen in
einen Negativ-Kreislauf kommen. Kumbahaka-Übungen sind dann wie eine Weiche, um von einem
Negativ-Kreislauf in einen Positiv-Kreislauf zu kommen.

Ich empfinde das als eine ganz fantastische Methode. Vor ca. 30 Jahren habe ich das erste Mal
während Meister Tadas Aikidotraining davon gehört. Es hat mich sehr stark beeindruckt und ich
habe mich mit seitdem sehr viel mit Kumbahaka auseinandergesetzt.
Januar 2010, Kenji Hayashi
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Kumbahaka (Teil 1)
Das Wort Yoga stammt aus dem Sanskrit und bedeutet: verbinden, vereinigen von Körper und Geist
oder auch verbinden in Bezug auf Mensch und Göttlichkeit so handeln wie die Götter.
Bei einigen Yogaübungen wird angestrebt, von außen kommende Reize, wie zum Beispiel Hitze, Kälte,
Schmerz u.a., nicht zu beachten und gleichzeitig den Körper zu stärken. Es gibt sehr schwierige Übungen,
die Yoga-Meister befähigen, äußere Reize vollkommen auszuschalten. Das ist der schwer zu erreichende,
vollkommene Kumbahaka Zustand.
Tempu Nakamura* hat während seiner 3-jährigen Übungszeit im Himalaya diesen Zustand erreicht.
Drei Jahre sind ein sehr kurzer Übungszeitraum, da es oft bis zu10 Jahren oder länger dauert, um
Kumbahaka Taisei zu erreichen, falls es dem Übenden überhaupt gelingt. Tempu Nakamura und
ebenso sein Lehrer Kaliapa haben vor Freude über den Erfolg Tränen vergossen. Für mich sind beide
Meister ein Vorbild.
Wieso hat Tempu Nakamura so schnell den Kumbahaka Zustand erreicht? Er hat in den USA Medizin
(Neurologie) studiert und sich dadurch ein gutes Fachwissen über den Körper erworben.
Das ermöglichte ihm, die Vorgänge bei Kumbahaka Taisei besser zu verstehen, und später seine
Kumbahaka Taisei -Unterrichtsmethode zu entwickeln.
Vor Kurzem habe ich von Meister Tada ein Buch bekommen. In dem Buch ist ein Foto von ihm aus
seiner Jugendzeit im Tempukai-Dojo. Er ist abgebildet, wie er mit einem Bokken (Holzschwert) eine
Bambusstange durchschlagen will.
Man sieht seine Konzentration, ebenso sind auch die Zuschauer voll konzentriert.
Aber der Blick und die Haltung von Meister Tempu Nakamura zeigen eine noch stärkere Konzentration.
Für mich erscheint dort Tempu Nakamura als ein sehr strenger, aber gleichzeitig auch sehr liebevoller
Lehrer, der mit seinen Schülern mitfühlte.
Wenn ich auf dem Foto Tempu Nakamura betrachte, denke ich, obwohl ich den Yogameister Kaliapa
nicht kenne, dass Kaliapa ein ebensolcher Lehrer war, streng und voll Liebe.
Als Tempu Nakamura nach seinem dreijährigen Himalaya-Aufenthalt wieder zurück in Japan war,
hat er sich weiter intensiv mit Kumbahaka Taisei auseinander gesetzt und ein leichter verständliches
Übungssystem entwickelt mit dem Ziel, das Nervensystem zu stärken und kontrollieren zu können.
Die Kontrolle der Nerven ist das Ziel von Kumbahaka, um dadurch den Körper in ein seelisches
Gleichgewicht zu bringen. Das ist möglich, da die Nerven die Empfindungen und Befehle durch den
Körper leiten und somit Körper und Geist verbinden.
*Tempu Nakamura, 1876 1968, hat bei dem Yoga- und Meditationsmeister Kaliapa im Himalaya Yoga praktiziert,
um seine schwere Tuberkulose zu heilen. Als er 1940 geheilt zurück nach Japan ging, gründete er seine eigene
medizinisch-philosophische Organisation und nannte seine Lehre Shin Shin Toitsu - der Weg der Einheit von Geist
und Körper.
Juli 2009, Kenji Hayashi
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(meine) Atmung
Zu Beginn unseres Lebens atmen wir ganz natürlich, eine tiefe Bauchatmung. Aber wenn wir älter werden
und unser Verstand immer mehr unser Handeln bestimmt, ändert sich oft auch unsere Atmung.
Auch unser Körper und Charakter, die unsere Atmung beeinflussen, entwickeln sich. Ebenso wird unsere
Atmung durch unsere Körperkonstitution und durch unsere positive oder negative Lebenseinstellung
beeinflusst, wie auch durch unser „Schicksal“ Glück oder Unglück.
Es ist bekannt, dass eine tiefe, ruhige Atmung wichtig für unsere Gesundheit ist, aber in der Realität achten
die meisten Menschen nicht auf ihre Atmung. Ihnen ist nicht bewusst wie sie atmen.
Schon seit altersher gab es Menschen, in Ost und West, denen die Wichtigkeit der Atmung für die
Gesundheit bewusst war, die sich intensiv mit der Atmung auseinandergesetzt und dann über darüber
gelehrt haben. Dabei wurde immer lange Atmung mit langem Leben verbunden.
Beim Zazen wird eine lange, ruhige Atmung in Zusammenhang mit einer aufrechten Haltung gelehrt.
In den japanischen Kampfkünsten wird Atmung eingesetzt, so gibt es beim Aikido Atemtechniken
(Kokyuho).
Ich habe von meinem Lehrer, Meister Hiroshi Tada, Kumbahaka und Kokyusoren gelernt.
Nachdem ich in Hannover mein Dojo gegründet hatte, bin ich jedes Jahr im Sommer nach Italien zu
den Lehrgängen von Meister Tada gefahren. Er hat mich immer wieder kritisiert, meine Atemkraft,
Kokyu-ryoku, würde nicht ausreichen, wäre zu schwach.
Das war sehr unverständlich für mich. Da ich zu der Zeit viel Zen, Misogi und andere Atemübungen
praktizierte.
Aber diese Worte von Meister Tada gingen mir nicht aus dem Kopf, wie ein Koan haben sie mich immer
beschäftigt.
So war es für mich wie ein Schock, als einmal meine Frau zu mir meinte: "Für dich ist Atmung so wichtig
und du übst so viel, trotzdem ist deine Atmung während deines Schlafes relativ kurz und schnell."
Das Ziel der Übungen ist es, auch im unbewussten Zustand, im Alltag und im Schlaf, ruhig und tief zu
atmen. Meine Frau machte nur wenig Atemübungen und trotzdem war ihre Atmung tiefer und länger als
meine. Es war wie ein neues Koan. Eine Lösung zeigte sich erst Jahre später, als ich mich intensiv mit
Sōtaiho (Bewegungsübungen für die Körperbalance) beschäftigte.
Die Bewegungsübungen beim Sōtaiho werden alle mit einer Ausatmung durchgeführt, da sich der Körper
dann besser entspannen kann und dadurch leichter ins Gleichgewicht kommt. Diese Bewegungen, mit der
Atemtechnik zusammen, habe ich dann täglich geübt. Dadurch wurde mir bewusst, dass sich beim Atmen
nicht nur Muskeln, sondern auch Knochen bewegen und dass beim Ein- und Ausatmen sich im Körper
Spannung und Entspannung abwechseln. Ich konnte fühlen, dass es in meinem Körper verspannte
Bereiche gab, die durch ihre Härte meine Atmung behinderten. Ebenso konnte ich den Einfluss von
Gefühlen und Empfindungen auf die Atmung spüren.
Dieses neue Fühlen der Härte in meinem Körper in Zusammenhang mit der Bewegung der Knochen bei
der Atmung verschaffte mir Klarheit über meine Atmungsprobleme.
Ich begann mich nochmals intensiv mit Atmung auseinanderzusetzen.
Eine weitere Hilfe, war für mich das Buch von Dr. med. Nabuo Shioda, dass ich vor ca. 6 Jahren
geschenkt bekam. Seine Atemtechniken gaben mir viele Anregungen. Ich fand Verbindungen zu der
Atmung von Tempu Nakamura, Chowado, Misogi und Okinaga.
Juni 2009, Kenji Hayashi
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Schulterhaltung
Ein Anfänger hat beim Zen oft Probleme mit harten und verspannten Schultern. Als Abhilfe sind
Schläge mit dem Keisaku (flacher Holzstock)gedacht. Dafür bittet der Übende den Zenmeister
ihm auf die Schulter zu schlagen. Die Schläge dienen (unter anderem) dazu die verspannten
Schultermuskeln zu lockern, wie bei einer Massage.
Schultern können sich verspannen, weil die Haltung schlecht ist.
Wenn beispielsweise der Oberkörper krumm und nach vorne gebeugt ist oder auch schräg nach
hinten geneigt oder seitlich schief ist. Dadurch liegt der Körpermittelpunkt nicht im Körperzentrum,
dem Tanden. In Folge dessen sitzt der Übende beim Meditieren nicht gut und es fällt ihm schwer
sich zu konzentrieren und es kommen ihm die verschiedensten Gedanken.
Auch Gefühle können Einfluss auf die Körperhaltung nehmen. Jeder hat bestimmt schon gespürt
und auch bemerkt, dass die Schultern bei Angst oder Kummer hochgezogen werden und sich dann
verspannen.
Beim Kendo wird unterrichtet „mit der Schulter zu schlagen“ und nicht mit der Hand:
Wenn die Muskeln um das Schultergelenk, das Schulterblatt und Schlüsselbein locker sind, überträgt
sich die Energie des Schlages gut auf das Shinai. Der Schlag ist dann kräftig und energievoll.
Bei einem Schlag, ausgehend nur vom Arm oder von der Hand, verspannen sich schnell die Schultern.
Das gilt auch für andere Budo(schlag)techniken.
So kann an den Schultern / der Schulterverspannung gesehen werden, ob sich jemand richtig bewegt.
Es gibt die verschiedensten Problemstellungen der Schultern: hochgezogene, unterschiedlich hohe,
vor- oder zurückgezogene Schultern. Das ist aber nicht nur ein Schulterproblem, sondern ein
allgemeines Körperproblem. Es beruht oft auf Knochenfehlstellungen im Körperskelett, besonders
im Becken- und Wirbelsäulenbereich.
Um zu einer guten Schulterhaltung zu gelangen, ist es wichtig, die Schultern bewusst zu senken und
zurück zu nehmen, so dass sich dadurch der Brustkorb öffnet.
Für Zen, Budokünste, Schwertschlagen u.a. sollte diese Haltung eingenommen werden.
April 2009, Kenji Hayashi
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Nabelschau der Bauchnabel
Der Bauchnabel ist die Mitte des Körpers. Er zeigt noch die ursprüngliche Verbindung zur Mutter an.
Bauchnabel und Nabelschnur stellten die Versorgung als Fötus sicher.
Als Erwachsener ist die Verbindung nur noch als eine „Narbe“, Bauchnabel, zu sehen. Es ist für uns
trotzdem ein wichtiger Punkt des Körpers; zeigt er uns doch die Mitte unseres Körpers an.
Vielfach ist der Bauchnabel nicht in der Mitte des Körpers. Das ist gut zu sehen, wenn wir uns aufrecht
vor einen Spiegel stellen oder setzten, egal ob auf einem Stuhl oder in Meditationshaltung.
Wenn der Nabel sich nicht auf der Körpermittelachse befindet, liegt das häufig an einer schiefen,
verdrehten Wirbelsäule. Diese verbogene Wirbelsäule beruht auf einem Beckenschrägstand. Wenn das
Becken schief steht wird auch die sich darauf aufbauende Wirbelsäule krumm. Viele Menschen haben
so ein schiefes Körperfundament. Das beeinflusst unseren Körper in allen Lebensbereichen negativ.
Meditationsmeister in China und Japan haben dieses Problem erkannt und es beschrieben.
Beispielsweise lautet eine Anweisung aus solch einem alten Text:
Im Lotus- oder Seiza-Sitz ist es gut den Oberkörper nach rechts und links zu schwingen,
um den Schwerpunkt nach unten zu legen.
Damit wird ein stabiler Sitz, ein festes Fundament erreicht. Dann soll der Oberkörper 45° nach vorne
geneigt und gleichzeitig das Gesäß nach hinten gedrückt werden. Von dieser schrägen Position aus soll
man sich langsam aufrichten und dabei darauf achten, dass das Gesäß in der herausgedrückten Position
verbleibt. Dadurch geht der Bereich des 5. Lendenwirbels nach vorne und die Wirbelsäule steht
senkrecht. Es entsteht so auf natürliche Weise eine positive Spannung im Unterbauch und der Bauchnabel
rückt in die Körpermitte.
Im Budo, zum Beispiel beim Schwert heben und schlagen und auch beim Wurftechniken ist eine gute
Haltung wichtig. Sie wirkt sich wie ein „natürliches Schutzschild“ auf unseren Körper aus. Unser Körper
ist gefestigter bei den verschiedensten Belastungen und kann sich auch leichter wieder gerade ausrichten.
Das ist auch im Alltag der Gesundheit förderlich.
März 2009, Kenji Hayashi
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Haltung und Zen und Mut
Zen beinhaltet nicht nur meditieren. Im Unterricht wird auch besonderer Wert auf eine gerade
Körperhaltung gelegt. Konkret gesagt, Nase und Bauchnabel sollen eine senkrechte Linie bilden,
von der Seite her gesehen liegen Ohr und Schulter auf einer Senkrechten.
Das beinhaltet das gerade Sitzen.
Auch außerhalb der Meditation wird beim Zen auf die Haltung geachtet, ganz besonders beim Essen.
Bei den Sesshins, die ich mitgemacht habe, musste ich während der Mahlzeiten im Lotussitz sitzen,
ganz gerade, die Schultern nach hinten zurückgenommen und nicht nach vorne gebeugt. Das Kreuz
sollte gerade gestreckt und die Brust nach vorne geöffnet sein. In dieser Haltung wurde gegessen.
Auch mir ist bei meinem Budo die Haltung sehr wichtig. Wir üben Shizentai, eine gerade Haltung,
die der vom Zen entspricht. Sie bezieht sich auch auf die Haltung im täglichen Leben. Also auf die
Haltung beim Gehen und Arbeiten, beim Liegen und beim Bewegen.
Es ist eine Haltung, die wir immerwährend einnehmen sollen. Dadurch ist es eine sehr strenge Lehre.
Schwierig ist es aber eigentlich nur für Personen, deren Körper schief ist. Für jemanden mit einem im
Gleichgewicht befindlichen Körper ist es nicht so anstrengend, da eine gerade Haltung Wohlbefinden
vermittelt.
In den alten, traditionellen japanischen Budokünsten wird aus langer Erfahrung heraus gesagt,
dass eine solche gerade Haltung Mut erzeugt. Das wird auch heute im modernen Leben noch so sein.
Ich glaube, dass diese Haltung auch in unserem Leben Gesundheit und Mut bewirkt.
Ab März möchte ich darum jeden Mittwochabend Zen-Meditation anbieten.
Februar 2009, Kenji Hayashi