Kenjis Themen  -  Teil 3   April 2014  - Juni 2012

Haltung und Bewegung beim Budo und im täglichen Leben, April 14
Kumbahaka-Taisei, Feb. 2013 
Muto-dori - dem Angreifer das Schwert mit der bloßen Hand abnehmen, Jan. 2013

Ikkōshin, Juli 2012 
Schwertschlagen - Taido-Basistechnik, Juni 2012
 

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Liegestütze, Gesundheit u. Budo, Feb. 2012
Ukashi, Jan. 2012
Atemtechnik - Sotaiho-Atmung, Dez. 2011
Koi-no-te (Teil 2), Nov. 2011
Koi-no-te (Teil 1) - Tegoi, Nov. 2011
Kokyuho - Atmung, Mai 2010
Ashisabaki - Fußbewegungen, April 2010

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Haltung und Bewegung beim Budo und im täglichen Leben   

Haltung und Bewegung beim Budo und auch im täglichen Leben sind wichtig und hängen voneinander ab. Eine gute Haltung/ richtige Bewegung in den verschiedensten Situationen beizubehalten ist schwierig und erfordert Übung. Darum sollten die Prinzipien von Budotechniken, bei denen Haltung und Bewegung geübt wird, auch im Alltag angewandt werden.
Wenn bei den Budotechniken, wie zum Beispiel Ausweichen, Verteidigen, Werfen und Fallen, der Partner mit Kraft (Gewalt) gefasst, geführt oder geworfen wird und dieses Verhalten dann in den Alltag übertragen wird, ist das natürlich negativ.

Bei den verschiedensten Körperhaltungen und Bewegungen, wie zum Beispiel beim Sitzen - Meditieren, bei Teetrinken – der Teezeremonie, beim Gehen, Springen oder Gemüse ernten u.a. sollte es Momente geben, bei denen man spürt:  ah, das ist angenehm. Wenn man diese Momente als Außenstehender betrachtet, werden eigentlich immer die Haltung und entsprechend auch die Bewegung als schön empfunden.
Budotechnisch gesehen hat der Partner bei diesen „Wohlfühlbewegungen“ auch keine Chance mehr. Denn eine solche Bewegung beinhaltet, dass die Schultern locker und entspannt sind, der Schwerpunkt tief im Unterbauch liegt und der Hinterkopf wie am Faden in Richtung Himmel gezogen wird und dadurch das Gesicht gerade ist. Bei dieser Haltung steht man fest auf dem Boden und Fußbewegungen, das Gehen, fallen leicht.

Beim Seiza-Sitzen bilden die Ohren und die Schultermitte eine Linie. Von vorne gesehen bilden Nase und Bauchnabel eine Linie. Dadurch bildet der Körper eine Tetraeder-Form. Vom Gefühl her ist der Körper dabei leicht nach vorne geneigt und der Unterbauch ist nach vorne gewölbt. Das ergibt sich aus der nach hinten hinaus gestreckten Gesäßhaltung. Es wird aber nicht bewusst das Gesäß nach hinten gestreckt, sondern das Kreuzbein wird nach vorne gedrückt (siehe unten Zeichnung 2 bei dem Thema Ikkōshin). So ist der Schwerpunkt im Unterbauch gut spürbar.
Wenn man aus dieser Sitzhaltung vom Seiza oder auch vom Stuhl aufsteht und die oben beschriebene Haltung beibehält und auch beim Gehen einnimmt, dann wird das Gehen anders. Wie anders? Ich denke so, wie es Musashi in seinem berühmten Das Buch der fünf Ringe beschrieben hat.
Musashi beschreibt Gehen als eine Ying-Yang-Bewegung. Dabei „schweben“ beim Auftreten die Zehen leicht, besonders der Große Zeh. Außerdem wird die Ferse nicht so betont aufgesetzt, sondern die ganze Fußsohle, so dass das Gewicht mehr auf der ganzen Sohle liegt. Beim Abrollen soll man sich nicht so stark mit den Zehen abdrücken.
Diese Beschreibung vom Gehen darf man nicht nur von den Füßen /Fußbewegung her sehen. Dann ist es nicht zu verstehen. Zu diesem Gehen gehört unbedingt, dass man die oben beschriebe Haltung einnimmt.

Ich möchte noch kurz das aufführen, was Musashi dazu gesagt hat (Den ausführlichen Text bitte selber im Buch der fünf Ringe nachlesen.):

  1.  Gesicht/ Nase gerade halten und das Kinn leicht nach vorne schieben. Dann sind die Sehnen des Genicks sehr kraftvoll.
  2.  den Rücken gerade halten
  3.  den Bauch nach vorne gewölbt halten
  4.  das Gesäß nicht nach hinten schieben

Weitere Erklärungen zu Haltung und Bewegung aus einem Buch von dem Philosophie-Professor Hideki Maeda finde ich auch sehr aufschlussreich. Prof. Maeda selber hat Shinkage-ryu (traditionelle Schwerttechnik) geübt. In seinem Buch hat er geschrieben:

- den Bauch vorne und die Knie locker halten, so das die Nase, der vorgewölbte Bauch und der Punkt in der Mitte zwischen  den Füßen (Zehen) auf einer Senkrechten liegt.
- die Zehen schweben leicht

Wie oben schon gesagt, ist bei dieser Haltung das Gesicht mit dem Kinn leicht nach vorne geschoben und dadurch ist der Nacken kraftvoll. Beim Gehen bleibt der Oberkörper ruhig und die Füße trampeln nicht laut auf den Boden. Jetzt fühlen sich Ashisabaki- Fußbewegungen leicht und einfach an.

Schon vor 500 Jahren  , bei Ikōsai Aiso, dem Gründer von Kage-ryu, lässt sich eine Beschreibung dieser Ganghaltung finden.
Der Begründer von Shinkage-ryu  Ise-no-kami Kamiizumi hat bei Aiso gelernt und sich ebenfalls mit Haltung und Bewegung auseinandergesetzt. Er erklärt beim Shinkage-ryu die Haltung mit dem Begriff Tsurigoshi (tsuri = hochziehen / goshi = Hüfte). Tsurigoshi
bedeutet, dass man sich vorstellt, dass das Becken/ Kreuz wie an einem Faden hochgezogen wird. Das ähnelt der Haltung von Affen, wenn sie sich aufrichten und gehen oder einem Kleinkind, das sich vom Krabbeln her aufrichtet und anfängt zu laufen. Diese Erklärungen waren für mich eine Hilfe, um Musashis Haltungsbeschreibung besser verstehen zu können.

Wenn man seine Standfestigkeit testet, wird schnell deutlich, dass bei „in den Boden gekrallten“ Zehen der Stand nicht so fest ist, als wenn die Zehen leicht „schwebend“ gehalten werden. Besonders wenn man den Großen Zeh anhebt, ist spürbar, dass sich dabei das Fußgewölbe gut ausbildet. Das ist für das Stehen, Laufen und die Gesundheit ganz wichtig. Wenn das Fußgewölbe nicht gut ausgebildet ist (Plattfuß), ist man auch „nicht gut zu Fuß“. Für mich ist das gut spürbar. Dann. bei dieser Haltung spüre ich, dass das Schienenbein dann wirklich gerade steht – nicht in einer Position wie bei  X-  oder O-Beinen.

Wie ist dieser Körperhaltung und Gehbewegung dann die richtige Armbewegung? Zum Beispiel beim einhändigen oder beidhändigen Schwertschlagen. Wichtig ist, die Ellenbogen gut zu strecken und das Schwert in einem weiten Bogen zu schlagen. Dann fühlt man automatisch, dass der kleine Finger und der Ringfinger den Griff des Schwertes fest umfassen, Mittel- und Zeigefingen liegen locker am Griff. Ich übe oft für mich allein. Dabei schlage ich gegen einen senkrechten Holzstamm. Wenn ich in der oben beschriebenen Körper- und Bewegungshaltung schlage, fühle ich mich gut und zufrieden. Ebenso, wenn ich in dieser Form Techniken, wie zum Beispiel Shihonage, ausführe. Also in richtiger, aufrechter Haltung in Verbindung mit richtigem Gehen richtigem Schwerpunkt und Schwerpunktverlagerung. Ich habe jetzt das Gefühl, die Budohaltung bzw. die Haltung im täglichen Leben, so wie Musashi sie beschrieben hat, verstanden zu haben.

Dazu möchte ich aber noch sagen, das Budokünste im Krieg entstanden sind aus dem Kampf von Mann zu Mann, mit dem Ziel zu töten oder den Gegner zu verletzen, um ihn kampfunfähig zu machen. Es ist aber kein erstrebenswertes Ziel für den Menschen, darin gut zu werden. Kamiizumi, der Begründer von Shinkage-ryu, hat darum angefangen, ein Budo-System zu entwickeln ohne Töten und Verletzen, bzw. ohne Sieg und Niederlage. Er hat einen mit Lederstreifen umwickelten Bambusstock (Shinai) benutzt und nicht das scharfe Schwert. Und er hat Muto-dori entwickelt, Techniken bei denen mit der bloßen Hand dem Angreifer das Schwert abgenommen wird. Auch dabei soll der Partner nicht getötet oder verletzt werden.

April 2014, Kenji Hayashi                                                             nach oben zum Seitenanfang

 

Kumbahaka-Taisei 

Um seine Krankheit zu heilen und Geist und Körper zu stärken, hat Tempu Nakamura die Yoga-Übung Kumbahaka gelernt, viel geübt und dann seine Kumbahaka Taisei -Unterrichtsmethode entwickelt.  (Siehe auch Kumbahaka, Teil 1 und Kumbahaka, Teil 2)
Mein Lehrer, Meister Hiroshi Tada, hat Kumbahaka-taisei direkt von Tempu Nakamura gelernt.

Gleich zu Beginn meines Aikido-Unterrichts bei Meister Tada, habe ich viel über Kumbahaka-Taisei gehört. Ich habe dann dazu Bücher und Texte von Tempu Nakamura gelesen und mich viel mit diesem Thema auseinandergesetzt. Lange Zeit habe ich die Wirkung von Kumbahaka nicht gespürt und verstanden.  

Bei Kumbahaka heißt es immer „Aftermuskel schließen“, „Kraft im Unterbauch sammeln“ und „Schultern locker halten“, ganz besonders bei den Atemübungen. Wenn man aber bei Kumbahaka den Aftermuskel schließt und Kraft in den Unterbauch legt, wird spürbar, dass sich der Oberkörper und die Schultern anspannen. Beim „Standtest“, einem relativ leichten Druck mit einem Finger gegen die Brust, kommt man dann schnell aus dem Gleichgewicht. Das bewirken die angespannten Schulten. Ein Kumbahaka in dieser Art ist nicht gut für den Körper.

Ich habe viele Atemübungen praktiziert um Kumbahaka zu verstehen. Bei der Sotai-Atemübung im Liegen wird beim Ausatmen das Steiß- und Schambein nach „oben gedreht“ und die Wirbelsäule im Kreuzbeinbereich senkt sich dicht an den Boden.
Bei meinem vielen Üben dieser Atemübung fühlte es sich für mich so an, als ob bei der Ausatmung der Aftermuskel nach oben gezogen würde. Und dass, obwohl sich das Steißbein nach vorne oben dreht.

Die Sotaiho-Atmung wird meist im Liegen ausgeübt. Ich habe aber auch im Sitzen und im Stehen das Gleiche gefühlt: Beim Ausatmen bewegt sich das Kreuz nach hinten und das Steiß- und Schambein nach vorne. Bei der Einatmung richtet sich alles wieder auf. Am Ende der Einatmung, wenn der Körper gerade ist und die doppelte S-Kurve bildet, sich die Konzentration auf den Unterbauch richtet, man aber keine Kraft hineinlegt, dann entsteht das Gefühl, dass der Aftermuskel sich automatisch nach oben zieht. Dieses Gefühl verstärkt sich während der Ausatmung, wenn die untere S-Kurve der Wirbelsäule automatisch flacher wird, besonders bei einer langen Ausatmung.

In letzter Zeit habe ich im Gekkan-Budo, einem bekannten japanischen Budo-Magazin, einen Artikel von Meister Tada gelesen. In seinem Beitrag berichtet er, wie Tempu Nakamura Kumbahaka-Taisei erklärt hat:
Der Aftermuskel soll nicht zugekniffen werden, sondern er soll sich automatisch mit einer „Drehbewegung“ in Richtung nach oben schließen. Die Konzentration soll in den Unterbauch gelegt werden, da sich dadurch dann die Schultern entspannen können.

Dieser Text hat mich in meinem Empfinden bestätigt. Diese Beschreibung und mein Fühlen bei den Atemübungen stimmen überein. Die Beschreibungen, die ich bisher gehört/gelesen hatte, waren nicht ausreichend für mich.
Jetzt sehen meine Kumbahaka-Übungen folgendermaßen aus:
Zusammen mit der Atmung, besonders mit tiefer Atmung zusammen, ziehe ich den Aftermuskel nach oben und schließe ihn. Dadurch kommt automatisch Kraft in den Unterbauch und die Schultern lockern sich. Atmung und Haltung fließen so zusammen und man kann von Kumbahaka-Taisei (Taisei = Körperposition) sprechen.

Februar 2013, Kenji Hayashi                                                                nach oben zum Seitenanfang

 

Muto-dori   
dem Angreifer das Schwert  mit der bloßen Hand abnehmen

Tachi-dori, im Taido Muto-dori (alte Bezeichnung) genannt, hat zum Ziel dem angreifenden Partner das Schwert abzunehmen.

Das Schwert soll aber dem Angreifer nicht entwendet werden, indem man stößt, schlägt, schneidet, also dem Angreifer Wunden oder Schmerzen zufügen will.
Bei der Abwehrtechnik soll der Angreifer nicht verletzt werden! Diese Vorstellung soll nicht in der Abwehrtechnik enthalten sein!
Dadurch steht das richtige Timing, der richtige Abstand, die richtige Ausweichbewegung  tenkan  im Mittelpunkt. Durch  tenkan  steht man auf der Seite des Partners.

Muto-dori-Techniken sind sehr schwierig. Aber ob ein Angriff mit dem Schwert oder der Hand erfolgt, bzw. ob sich mit dem Schwert oder der bloßen Hand verteidigt wird, die Abwehrtechniken sind gleich
Bei Muto-dori-Übungen bewirkt der Schwertangriff, dass man sich der Gefahr klarer wird und dadurch die Abwehrtechnik exakter und bewusster durchführt.
Videos zu dem Text siehe Link

 

Januar 2013, Kenji Hayashi                                                                  nach oben zum Seitenanfang

 

Ikkōshin 

Ikkōshin ist eine Bewegungsübung, bei der die Kraft und Ki-Energie konzentriert und nach außen geschickt wird.
Das Besondere an dieser Methode ist, dass bei der Bewegung hauptsächlich die Streckmuskeln und nicht die Beugemuskeln eingesetzt werden sollen. Wenn die Beugemuskeln eingesetzt werden, ist es schwierig sich schnell zu bewegen, da die Kraft/Anspannung in den Beugemuskeln (z.B. Bizeps, sie sind dann hart und dick) die Bewegung verlangsamt; das Gleiche passiert bei harten Schultern oder verspanntem Nacken. Das ist nicht der Fall, wenn die Streckmuskeln eingesetzt werden.

Wenn ein Körperteil gestreckt wird, zieht sich der Streckmuskel zusammen und der entsprechende Beugemuskel entspannt sich. Diese Muskeln bilden ein zusammengehöriges Paar. Das ist nicht nur beim Arm (Bizeps – Trizeps) so, sondern trifft auf den ganzen Körper zu. Dieses Zusammenspiel ist ganz besonders beim Becken und beim Brustbein wichtig, da eine richtige Becken- und Brustbeinhaltung, bzw. -bewegung, eine gute Körperhaltung und Beweglichkeit bewirkt.

Das möchte ich hier näher erläutern, gehe aber nicht auf Fehlhaltungen oder einen Schiefstand des Beckens ein. Es gibt drei grundsätzliche Beckenhaltungen:

                                       ‚

      Zeichnung 1                                                                    Zeichnung 2
      Das Kreuzbein geht nach hinten,                                 Das Kreuzbein geht nach vorne,
      das Sitzbein geht nach vorne.                                      dadurch streckt sich der Oberkörper

                                                                                               und das Brustbein geht nach vorne
                                                                                               und die Brust öffnet sich.

Die Haltung des Beckens beeinflusst die gesamte Körperhaltung. Wenn das Becken, wie bei der ersten Zeichnung, schräg nach hinten gekippt ist, wird der Rücken rund, es bildet sich ein Buckel, die Brust ist eingefallen, die Schultern gehen nach vorne. Bei dieser Haltung werden die Beugemuskeln ständig beansprucht. Dadurch wird die Hüfte unbeweglich und die Arm- und Fußbewegungen werden kraftloser. Es können auch die verschiedensten Körperprobleme entstehen.
Wenn man mit einer solchen Fehlhaltung trainiert, kann es sein, dass sich die Körperprobleme noch weiter verstärken. Eine gute Körperhaltung ist darum beim Training sehr wichtig.

Um Bewegungen mit möglichst viel Streckmuskeleinsatz durchzuführen, sollte das Kreuzbein gerade gestreckt, bzw. nach vorne gekippt werden, siehe Zeichnung 2, aber nicht in ein Hohlkreuz gedrückt werden. Bei dieser Haltung werden beim Gehen automatisch die Zehen eingesetzt, so als ob man sich am Boden festhält, „hinein krallt“.  (siehe auch Text weiter unten: Schwertschlagen  -  Taido-Basistechnik  bei  Fußbewegung). Die Brust ist nach oben geöffnet und auch die Arme sollten gestreckt sein.
Beim Einsatz von Streckmuskeln, wie oben beschrieben, ist der Körper entspannt und die Lockerheit und auch der Energiefluss sind gut spürbar.

Durch meine vielen Übungen habe ich all das gefühlt. Die Bestätigung dieser Haltung und Muskelarbeit  habe ich in den Ausführungen von Takahiro Nakamura (japanischer Heilpraktiker) gefunden.
Durch meine Ikkōshin-Übung möchte ich eine gute Körperhaltung bewirken, damit das Training effektiver und der Alltag leichter zu bewältigen ist. Bei einer schlechten, krummen Haltung ist natürlich eine lange Trainingszeit erforderlich, um Becken und Wirbelsäule wieder gerade aufzurichten. Deshalb ist es notwendig, sich jeden Tag damit auseinander zu setzen und zu üben.

Ikkōshin-Übungen können allein oder zusammen mit einem Partner geübt werden. Sie sollen auch immer rechts- und linksseitig (Arm- und Fußposition ändert sich) trainiert werden. Basierend auf meinen Erfahrungen mit den intensiven Schlagübungen, die ich vor ca. 15 Jahren gemacht habe (siehe Text „Taido“), habe ich diese Übungen entwickelt. Ikkōshin wird ohne Schwert geübt, aber die Bewegungen sind ähnlich wie beim Schwert schlagen.

Bei der Ikkōshin-Bewegung steht der rechte Fuß vorne, von beiden Füßen zeigen die  Zehen etwas nach außen, die Knie sind leichtgebeugt in Richtung Zehen(!), die rechte Hand ist vorne. Beide Handrücken zeigen nach oben, infolgedessen ist der Unterarm leicht gedreht, gewrungen und die Arm e führen während der Bewegung nach oben eine lei chte Spiralbewegung aus. Die Ellenbogen bleiben dabei leicht gebeugt und zeigen nach unten.  
Beim Heben der Arme hilft es sich vorzustellen, dass di e A rme an den Handgelenken hochgezogen werden. Dadurch wird vermieden, die Beugemuskeln zu sehr anzuspannen. Bei dieser Position kann die Energie, Ki, gut nach vorne bis in die Fingerspitzen geschickt werden. Außerdem sind die Arme sehr stark und können nur schwer nach unten gedrückt werden.

Die Zehen halten sich leicht am Boden fest (wie oben beschrieben). Dadurch ist das Fußgewölbe sehr stabil.
Bei dieser Art des Stehens kann der vordere Fuß mühelos nach vorne bewegt werden. Er soll nicht hochgehoben werden, sondern gleitet dicht über dem Boden nach vorne. Dabei lockern sich die Zehen und gehen hoch, greifen dann aber wieder zu, beginnend vom Kleinen Zeh, weitergehend bis zum Großen Zeh. Es ist wichtig ist darauf zu achten, dass das Bein /Knie nicht wackelig ist sondern fest steht und dass dabei das Knie und in Richtung des Kleinen Zehs gebeugt wird.                      

Nachdem man mit dem vorderen Fuß nach vorne gegangen ist, folgt der hintere Fuß nach (Okuri ashi). Diese Nachziehbewegung ist einfach, wenn man sich mit den Zehen „festhält“ und stabil steht. Bei dem Nachziehen des hinteren Fußes (mit leicht gebeugtem Knie) sind die Streckmuskeln aktiv. Die Zehen sollen aber weiterhin gebeugt/„in den Boden gekrallt“ bleiben, da sich sonst das Fußgewölbe zu sehr strecken, die Spannung verloren gehen und es so auf Dauer zu stark beansprucht würde. Das heißt, bei der Vorwärtsbewegung des hinteren Fußes soll man sich nicht mit dem Großen Zeh abdrücken.

Bei der Gleitbewegung nach vorne sollen Kopf, Oberkörper und Becken auf der gleichen Höhe bleiben, sich also nicht auf und ab bewegen. Der Körper soll vom Becken her nach vorne geschoben werden und der Oberkörper bleibt gerade aufgerichtet. Dadurch ist das Kreuz nach vorne gewölbt, ebenso wie die Brust (Haltung Nr. 2). Auch die Schultern gehen nicht nach vorne sondern bleiben hinten.

Ikkōshin, ob allein oder mit Partner, kann in verschiedene Richtungen ausgeführt werden: nach vorne, zur Seite, nach hinten oder mit Drehung (Kaiten). Die Bewegung nach vorne ist aber die Grundlagenübung.

Beim Üben zu zweit fasst der Angreifer den Arm des Partners mit gestrecktem Arm, bzw. mit gestreckten Armen, so als ob er ein Schwert in der Hand halten würde. Der Angreifer soll nicht als Ziel haben, die Bewegung des Partners zu blockieren, so dass es auf eine Art Wettkampf hinausläuft wer stärker ist, sondern er soll dem Partner helfen und ihn unterstützen, die Bewegung richtig und in einer korrekten Haltung auszuführen. Der Partner kann dann beim Üben auch darauf achten, dass die Streckmuskeln eingesetzt werden.

Ikkōshin-Übungen sind auch im Sitzen möglich (der Partner fasst beide Hände). Die Bewegung beinhaltet das gleiche Prinzip wie oben beschrieben.

Juli  2012, Kenji Hayashi                                                                         nach oben zum Seitenanfang

 

Schwertschlagen  -  Taido-Basistechnik

Tegoi (siehe bei Kenjis Themen Ki-no-te, Teil 1), das im japanischen Budo als Basis für alle Budokünste angesehen wird, hat seine Grundlage in der Schwertkunst. Beim Schwertschlagen wird der ganze Körper geschult: eine gute, wirkungsvolle Bewegungstechnik, die Ki-Kraft und die Geisteshaltung.
Auch Taido ist eine Budokunst, deren Basis auch auf dem Schwert schlagen beruht. Dabei ist nicht wichtig, dass ein Gegner besiegt wird, sondern dass die Schwertklinge exakt und effektiv geführt wird.

Gute Schwerttechnik beinhaltet ein gutes Fassen um den Schwertgriff, das entspricht einem guten Griff um die Hand eines Partners, der Schwertschlag entspricht einem Hand- bzw. Handkantenschlag, ein Schwertstoß dem Werfen eines Partners.

Ein Schwert kann mit beiden Händen oder mit einer Hand gefasst werden oder es kann in jeder Hand ein Schwert geführt werden. In Japan wird es meist mit beiden Händen gefasst.
Früher sind die großen Meister in die Natur gegangen und haben dort zum Training auf Holzstämme geschlagen. Und auch heute noch gibt es traditionelle Budogruppen, die das üben (siehe bei Kenjis Themen Kumbakaka, Teil 3). Ich habe in Japan in so einem Dojo, bei dem ein Holzstamm in der Mitte des Übungsraums steht, bei den Schlagübungen zugesehen und auch mit trainiert. Das hat mir sehr viele Erfahrungen vermittelt und mich für vieles sensibilisiert.

Bei den Schlagübungen wird mit ganzem Körpereinsatz auf den Holzstamm geschlagen und gleichzeitig mit lauter Stimme geschrien. Durch Schrei und Schlag entsteht eine intensive, durchdringende Schwingung. Solche Übungen sind in der Stadt meist nicht möglich. Aber man kann sich das Schlagen auf den Holzstamm und den Schrei vorstellen und so den richtigen Einsatz von Körper, Atmung, Ki-Kraft und Muskeln (Streckmuskeln, siehe unten) üben.

Schlagtechnik:
Handhaltung am Schwertgriff:

Die rechte Hand ist vorne am Schwertgriff, der Kleine Finger der linken Hand umfasst das Ende des Griffes (Rechtshänder). Der Kleine Finger und der Ringfinger fassen fest zu, die anderen Finger umschließen nur locker den Griff. Beide Hände führen beim Schlagen eine Wringbewegung aus (wie Lappen auswringen), so dass die Handoberflächen nach oben zeigen. Dadurch schließt sich der Zwischenraum zwischen Arm und Oberkörper. Die Ellenbogen zeigen möglichst weit zur Körpermitte.

Bei dieser Handhaltung fließt die Energie gut in die Schwertspitze. Um aber die größtmögliche Wirkung zu erreichen, muss auch die Körperhaltung richtig sein.

Körperhaltung beim Schwertschlagen:
Die Wirbelsäule, das Kreuzbein, soll gestreckt sein. Dadurch geht automatisch der Bauch nach vorne. Wenn dabei aber auch die Brust noch nach vorne herausgedrückt wird, dann entsteht ein Hohlkreuz und als Folge eine Spannung in Nacken, Schultern und Kreuz.

Die Brust soll schräg nach oben gehalten werden – nur leicht gestreckt. Dadurch kommen die Schultern mit dem Schulterkugelgelenk in die richtige Position. Denn wenn die Schulterkugel zu weit vorne ist, drückt sie auf Nerven, Sehnen und Muskeln. Diese Haltung ist besonders für Menschen mit nach vorne gebeugtem Körper, bzw. krummen Rücken, zu Beginn eines Trainings sehr anstrengend.

Beim Schwertschlagen ist es wichtig, die Streckmuskeln und nicht die Beugemuskeln des Arms, einzusetzen. Das wird durch die oben erläuterte Wringbewegung beim Schlagen erreicht.
Wenn die Ellbogen mehr zur Seite zeigen, wird automatisch der Beugemuskel, der Bizeps, eingesetzt und nicht der Streckmuskel, der Trizeps. Bei dieser Haltung findet die Anspannung des Beugemuskels nicht nur im Arm statt, sie ist für mich im ganzen Körper spürbar. Es ziehen sich auch Beugemuskeln des Oberkörpers und der Beine zusammen, da sie mit den Armbeugemuskeln durch verschiedene Muskelketten verbunden sind. Dadurch können sich die Schultern und der Nacken verspannen, Hand und Ellbogen beginnen vielleicht zu schmerzen und der Schwertschlag wird kraft- und energielos.

Grundsätzlich empfinde ich es als sehr wichtig, bei den Techniken die Streckmuskeln einzusetzen. Sie bewirken, dass der Körper locker bleibt. So können Bewegungen schnell und effektiv ausgeführt werden und man fühlt sich wohl. Wenn aber die Beugemuskeln zur Anwendung kommen, entsteht eine für mich fühlbare Spannung und der Körper wird hart.


angespannter Bizeps                                                      gestreckter, lockerer Bizeps
bei zum Körper gedrehter Faust                                     bei nach außen gedrehtem Unterarm
                                                                                             und bei lockerem Handgelenk

                                                                                        Diese Haltung entspricht der oben beschriebenen und
                                                                                        abgebildeten Armhaltung beim Schwert schlagen (siehe Foto).
Schemazeichnung nach Prometheus, Lernatlas der Anatomie, Thieme-Verlag

Nicht nur die Arme müssen locker sein, genauso wichtig ist ein lockeres Becken. Um das zu erreichen, sollten die Knie locker, d.h. etwas gebeugt gehalten werden. Nur wenn die Hüftgelenke locker sind, kann der Körper geschmeidig bewegt werden. Dafür muss das Kreuzbein senkrecht stehen, bzw. leicht nach vorne geneigt sein. Sobald man sich krumm hält, das Kreuzbein nach hinten geneigt oder rund ist (krummer Rücken), ist auch die Durchblutung schlecht, die Beweglichkeit eingeschränkt und die Bewegungen sind kraftlos.  

Fußbewegung:
Für mich ist bei einer Fußbewegung der richtige Gebrauch der Zehen besonders wichtig. Das bedeutet, bei den Bewegungen soll man sich nicht mit dem Großen Zeh abdrücken, denn dadurch entsteht eine starke Spannung und Dehnung, die sich bis in das Fußgewölbe hinein fortsetzt. Das Fußgewölbe wird deswegen zu stark belastet. Es ermüdet dann schnell und eventuell wird auch das Knie negativ beeinflusst. Stattdessen ist es wichtig, mit den Zehen eine Art Greifbewegung durchzuführen. Dadurch wird das Fußgewölbe nicht so beansprucht. Ich fühle, dass mein Fußgelenk stark ist und dass ich mich schnell und leichtfüßig bewegen kann.

Wenn beim Schwert schlagen auf die richtige Körperhaltung, Hand- und Fußbewegung geachtet wird, ist die Schlagbewegung leicht auszuführen, der ist Körper entspannt und es findet eine gute Entwicklung der Streckmuskeln statt. Das ist eine gute Basis für Budo-Körpertechniken. Sie sind dann schneller verständlich und einfacher zu erlernen.

Juni 2012, Kenji Hayashi                                                                    nach oben zum Seitenanfang