Kenjis Themen  -  Teil 4   Jan. 15 2014  - April 2020

Bedeutsamkeit der tiefen Atmung   April 2020
Meguri-te
  April 2020
Suriashi - das Gehen   April 2020
Kuzushi - aus dem Gleichgewicht bringen   Jan. 2020
Budo und Atmung (Vortragstext), Aug. 2016
Schwert und Atmung, Juli 2016

Taido und Sotaiho, Juni 2015
Kotodama  –  Kumbahaka  –  Ken-no-Suburi  Jan. 2015

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Atmung  -  Die Bedeutsamkeit der tiefen Atmung

Bei Stress, Kummer, Ärger, Angst usw. wird unsere Atmung oft flach, schwach oder auch hektisch. Ich denke, jeder hat diese Erfahrung schon gemacht. Aber wie ist es möglich, aus so einer „Atem-Situation“ wieder herauszukommen und eine ruhige, tiefe Atmung zu erlangen? Die Antwort ist leicht: einfach anfangen tief und ruhig zu atmen. Dann bekommt man seine Gefühle und Emotionen besser in den Griff und fühlt sich auch schnell besser. Diese Erfahrung hilft auch die Bedeutung der Atmung zu verstehen. Dabei ist es wichtig, mit einer tiefen Ausatmung zu beginnen. Es wird immer gesagt: “Bitte tief einatmen“. Aber das ist schwierig. Bevor ich tief einatmen kann, ist es notwendig gut auszuatmen!

Je mehr ich ausatme, desto mehr frische Luft kann ich anschließend einatmen.

Wenn ich nur wenig ausatme, kann ich dementsprechend nur wenig neue Luft einatmen und es findet dann auch nur ein geringer Gasaustausch statt. Wie ist es am besten, durch den Mund oder die Nase ein- und auszuatmen? Am besten ist es durch die Nase einzuatmen und durch Mund oder Nase auszuatmen. Wenn man durch den Mund einatmet, ist es schwer bis tief nach unten zu atmen. Die Atmung ist kurz und flach. (Probiert es mal aus.)

Weiterhin ist bei der Atmung auch die Haltung bedeutsam. Das Kreuz soll gerade stehen und der Schwerpunkt tief liegen. Ist die Haltung krumm, kann der Atem nicht nach unten in den Bauch fließen, er bleibt flach.

Bei einer langen Ausatmung entsteht im Bauch eine Spannung, die sich mit wachsender Länge der Ausatmung verstärkt. Gleichzeitig schließt sich der Aftermuskel. Hört man mit der Ausatmung aus, lockert sich der Bauch und frische Luft fließt automatisch in den Körper. Je mehr Luft in die Lungen fließt / man einatmet, desto mehr drückt die Lunge das Zwerchfell nach unten und der Bauch wird dick. Jetzt kann man den Atem „nach unten schicken“, dabei fließt etwas Luft nach außen. Anschließend beginnt man langsam und ruhig auszuatmen. Noch mehr Erlärungen dazu werden im Video gezeigt:  
Erklärungen zur Atmung, Teil I    http://youtu.be/UK8q6tFVvSM   
Erklärungen zur Atmung, Teil II     http://youtu.be/qX0g9NBrsks

Ich habe im Ichi-ku-kai-Dojo Misogi-Atmung geübt. Das ist eine sehr traditionelle Atmung Wie diese Misogi-Atmung genau durchgeführt wird, davon gibt es keine Aufzeichnungen, man muss es durch viel Üben selbst erfahren.
Erklärungen zum Misogi     https://youtu.be/YpWddchTMpU
(Weitere Erlärungen zu Misogi siehe Video https://youtu.be/xZK-PG1dFS4 - bei allein-üben, Link 3.)

Außerdem habe ich bei Dr. Hiromasa Muraki  Chowado-Atmung gelernt. Als gelernter Arzt hat er die Atmung auch auf medizinischer Basis erklärt. Leider konnte ich nur kurze Zeit bei ihm lernen, da ich nach Deutschland gezogen bin. Ich habe mich aber weiterhin mit Chowado beschäftigt und mehrere Bücher von Dr. Muraki gelesen. Seine Erklärungen habe ich aber erst richtig verstanden, als ich angefangen, habe, am Tategi mit dem Schwert zu schlagen. Da habe ich genau gefühlt, dass der Zwerchfellmuskel im Mittelpunkt steht und sich von dort die Atembewegung weiter ausbreitet und weitergeht zu Bauch-, Po-, Becken-, Rückenmuskeln, zum Aftermuskel u.a. Das bedeutet, alle Muskeln arbeiten / bewegen sich bei der Atmung mit.

Atmung ist eben nicht nur ein Gasaustausch, sondern beinhaltet viel Muskelbewegungen im Körper. Dadurch wird die Durchblutung aktiviert und das vegetative Nervensystem ins Gleichgewicht gebracht und gestärkt. Deshalb hat eine gute, tiefe Atmung eine positive Auswirkung auf Körper und Geist.

Atmung bewirkt eine gesunde Lebenskraft und ist damit ebenso eine Unterstützung für das Immunsystem.

Kenji Hayashi, 25. April 2020

Meguri-te  -  kreisend-bewegende Hand
Einsatz und Bewegung der Hand beim Taido

Wie im vorhergehenden Text (Suriashi) ausführlich beschrieben, ist die richtige Körper- und Fußhaltung die Basis unserer Körperbewegung, das Fundament. Darauf aufbauend möchte ich jetzt die Haltung und Bewegung der Hand beim Taido erläutern.

Ich habe schon öfters über meine Erfahrungen beim Schwertschlagen gegen den Tategi – einen senkrecht stehenden Baumstamm geschrieben. Ich mache das jetzt seit 12 Jahren, fast jeden Tag. Aus den Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe, habe ich Meguri-te entwickelt.

Es wird von Samurais berichtet, die jeden Tag morgens und abends 3000 Mal und nachmittags noch 8000 Mal Schlagübungen durchgeführt haben. So viel habe ich nicht geschlagen, aber 2000 – 5000 Mal pro Tag habe ich doch gegen den Tategi geschlagen.   (Video: Tategi-uchi   https://youtu.be/hXUfHmTokfE )
Dabei sind die verschiedensten Probleme, Überlegungen und Fragestellungen aufgetaucht mit denen ich mich intensiv auseinandergesetzt habe. Vor ca. drei Jahren hat sich vieles für mich geklärt und ich habe angefangen meine Erkenntnisse an meine Schüler weiterzugeben.
Jetzt ist für mich das Schwertschlagen immer mit einer Spirale verbunden: Beim Schwerheben führt die Hand mit dem Schwert eine Spiralbewegung aus, ebenso beim Schlag nach unten. Beim Auftreffen ist die Klinge dann in der senkrechten Position. Das Handgelenk führt die Spiraldrehung aus, es muss dabei ganz locker gehalten werden. Diese Drehung und das feste Umschließen des Schwertgriffs mit dem Kleinen Finger ist ein wichtiger Bestandteil der Bewegung.
Beim Heben und Senkenden Schwertes in Verbindung mit der Handgelenksdrehung entsteht eine senkrechte „Acht“, eine unendliche Achtbewegung, die Möbiusschleife.

Video:  Meguri-te    https://www.youtube.com/watch?v=ftLSKAcCHJ0

Bei dieser Art des Schlagens mit Spiralbewegung findet durch die Drehung ein ständiger Wechsel von Anspannung und Entspannung der Armmuskeln statt. Dadurch werden die Durchblutung und die Funktion der Nerven- und Muskelstränge usw. angeregt. Und demzufolge sind die sich ständig wiederholenden Bewegungsabläufe beim Schlagen nicht so ermüdend.

Dieses Prinzip habe ich natürlich auch auf die Bewegungen und Techniken ohne Schwert, also auf Techniken mit bloßer Hand, übertragen. Infolgedessen haben sich meine Bewegungsabläufe beim Taido verändert. Dadurch hat sich Ukashi / Kuzushi, den Partner zum Schweben und aus dem Gleichgewicht zu bringen, weiter entwickelt und ist stärker in den Vordergrund gerückt.
(siehe Text weiter unten:  Kuzushi - aus dem Gleichgewicht bringen)

Auf Grund dieser Erfahrungen habe ich nochmal im „Das Buch der fünf Ringe"  Musashis Beschreibung über das Halten des Schwertes gelesen, da seine Darstellung mit meinen Erfahrungen übereinstimmt.
Musashi schreibt:
Der Daumen und der Zeigfinger umschließen den Schwertgriff gefühlsmäßig nur ganz sanft und leicht. Der Mittelfinger soll dabei nicht locker zufassen, aber auch nicht fest. Die Absicht das Schwert zu umfassen, bzw. mit der Hand zu halten, diese Absicht soll nicht da sein. Man soll das Schwert absichtslos halten und immer so halten als ob man ständig in einem „Zustand des Schneidens“ ist.
Das heißt, die Absicht soll sich nicht auf einen auf einen Punkt fixieren (Zum Beispiel: „Ich umfasse jetzt das Handgelenk und halte fest.“) Alles muss fließend sein. Eine „harte Hand“ ist eine „tote Hand“. Eine weiche Hand ist eine „lebende Hand“. Das bedeutet, wenn man das Schwert in der Hand hat, es fasst, dann muss sofort ein „Zustand des Schneidens“ entstehen. Die Ellenbogen sollen nicht zu stark durchgedrückt werden, aber auch nicht angewinkelt sein. Bei dieser richtigen Art des Fassens, bei der Kleiner Finger und Daumen den Schwertgriff fassen, sind die obenliegenden Muskeln des Unterarms locker und die untenliegenden Muskeln gespannt. Das Schwert kommt in einen „Zustand des Schneidens“. In diesem Zustand können sich Hand und Schwert schnell und ohne Verzögerung bewegen. Das ist eine „lebende Hand“.
Wenn aber der Zeigefinger (mit Daumen) zu fest hält, dann sind die oberen Muskeln angespannt. Diese Anspannung geht bis in die Schulter hinein. Die Hand ist unbeweglich.

Das ist gleichermaßen auf „Meguri-te“ beim Taido zu beziehen, die Hände sollen sich fließend nach rechts, links, spiralig bewegen ohne zu stoppen. Und es ist genauso auf das „Gehen“ (siehe Text Suriashi) zu beziehen: Beine und Füße sollen immer in einem „Zustand des Gehens“ sein.
Letztlich sollen sich Hand und Fuß harmonisch zusammen bewegen und somit der Körper in einem „Zustand der Bewegung“ sein.

April 2020, Kenji Hayashi
(nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt von Ulla Hayashi)

Suriashi  -  das Gehen

Suriashi – bezeichnet eine spezielle Form des Gehens, auf Grund dessen der Körper stressfrei agieren kann.

Die ersten zehn Monate seines Lebens befindet sich der Mensch im Bauch der Mutter. In der ersten Phase seines Lebens, nach der Geburt, liegt er. Danach fängt er an zu krabbeln, richtet sich anschließend auf und beginnt zu laufen. Dieser Ablauf ist im Körper verankert und braucht nicht erlernt zu werden. Je älter der Mensch wird, desto mehr fangen die „Laufstile“ an sich zu unterscheiden. So gibt es Menschen, die gehen ruhig und bedächtig, andere wiederum hastig und schnell oder auch schwankend usw. Es entwickeln sich vielleicht X- oder O-Beine oder andere Fehlstellungen. Diese Fehlstellungen der Beine / Füße setzen sich durch den ganzen Körper fort und beeinflussen ihn. Es können Beschwerden auftreten und sich dadurch eine unterschiedliche Lebensqualität entwickeln.

Um dem entgegen zu wirken, haben sich die Samurai mit dem richtigen Gehen auseinandergesetzt und „Gesetzmäßigkeiten für das Gehen“, bzw. eine „Geh-Etikette“ entwickelt. Aber nicht nur in Bezug auf das Gehen, sondern auch damit in Verbindung stehend, Regeln für eine richtige Haltung, für das Verbeugen, Knien, usw.  Diese Etikette / Haltung hat Eingang gefunden in Teezeremonie, Ikebana, Shodo, traditionellen Tanz und Theater. Sie soll bewirken, dass der Körper im Gleichgewicht ist, der Körperschwerpunkt tief liegt und der Körper gut und effektiv bewegt werden kann.
Basisbestandteil dieser Etikette ist die richtige Haltung und das Gehen.

Der Kendo-Lehrer Shigeyoshi Takano, der vor ca. 140 Jahren gelebt hat, war zu seiner Zeit der höchste Danträger (10. Dan). Er war ein urkundlich anerkannter Lehrmeister (Sōke) des traditionellen Ittō-ryū-Kendo.
In seinem Buch, das er gegen Ende seines 81-jährigen Lebens geschrieben hat, führt er folgendes auf:
Beim Gehen (nicht nur beim Kendo sondern auch im Alltag) soll kein Laut zu hören sein, ebenso beim Vorwärtslaufen, Springen und Schlagen. Der Angreifer soll sich dem Partner leise nähern (mit einer Gehbewegung) und dann mit dem richtigen Abstand, ohne Sprung, zuschlagen.

Das ist in der Realität aber nicht so einfach auszuführen. Beim Kendo ist es wichtig, diese traditionelle Etikette / Haltung gleich am Anfang als Basis zu erlernen, sonst ist es nicht möglich ein gutes Kendo (oder auch eine andere Kampfkunst) mit wirksamen Techniken auszuüben.

Das Gehen von Shigeyoshi Takano soll sehr leise und ruhig gewesen sein, auch in seinem Alltag, wie zum Beispiel beim Treppengehen.
Shigeyoshi Takano ist in einem traditionellen Haushalt nach alter japanischer Sitte und Etikette und mit Kendo-Tradition aufgewachsen. Dadurch hat er dieses Verhalten schon als Kind in sich aufgenommen.

Wie soll Suriashi ausgeführt werden? In Japan ist Suriashi ein fester Begriff, aber eine genaue Beschreibung habe ich lange nicht gefunden. Sowohl beim Judo, Aikido und auch beim Kendo wird viel von Suriashi gesprochen, aber es findet sich nirgendwo eine genaue Erklärung oder Anweisung.

Ich habe in verschiedenen Texten Beschreibungen vom „richtigen Gehen“ und der „richtigen Haltung“ gefunden, aber der Begriff Suriashi wurde dabei nicht verwendet.

Aber ist das gleichzusetzen mit Suriashi? Diese Frage hat mich sehr beschäftigt.

Aber in einem Buch über „ Kashima Shinden Jikishinkage-ryū“, einer alten japanischen Kunst der Schwertkampfes, die ca. Mitte des 16. Jahrhunderts begründet wurde, habe ich eine Erklärung gefunden.
In dem Buch steht, dass Suriashi auf einer richtigen Haltung und auf richtigem Gehen basiert. Suriashi wird dort folgendermaßen beschrieben:

Es werden nur die Zehen angehoben, nicht der ganze Fuß, und dann wird der Fuß nach vorne geschoben. Das wird als die richtige Art der Fußbewegung bezeichnet.

Diese Art des Gehens habe ich auch schon vorher für mich allein geübt und auch in mein Training einfließen lassen. Beim Üben habe ich gespürt, dass bei dieser Art des Gehens mein Becken und mein Schwerpunkt fest und stabil sind.

Was passiert aber mit dem hinteren Fuß während der andere Fuß nach vorne geschoben wird? Dies war die nächste Frage, die sich mir stellte. Ich habe aber nirgends eine Beschreibung gefunden. Darum möchte ich jetzt ausführen, was ich bei meinen vielen Übungen gespürt habe.

Während ich den Fuß mit den angehobenen Zehen nach vorne schiebe, verlagert sich der Schwerpunkt des hinteren Fußes, von der Ferse über die Zehen, hin bis zum Großen Zeh. Dabei wird der Große Zeh nicht gestreckt, sonst würde das Fußgewölbe verloren gehen, also flach werden. Ich spüre dann, dass sich mein Großer Zeh in dem Moment in den Boden „krallt“. Dadurch wird mein Gehen sehr schnell und gleichzeitig spüre ich eine Spannung im Bauch und das Kreuz ist aufgerichtet zu einer geraden Haltung. Für mich gehört das alles zusammen und charakterisiert Suriashi.

Beim Schlagen gegen den senkrechten Stamm (Tategi-uchi) gibt es folgende Übung: Man steht etwa zehn Schritte vom Stamm entfernt, nähert sich mit schnellen Schritten, macht dann einen größeren Schritt zum Stamm hin und schlägt danach zu. Dieser größere Schritt ist wirklich ein Schritt und nicht ein Sprung, so wird es auch unterrichtet. Ich denke, dass das auch mit Suriashi ausgeführt wird, auch wenn es nicht so bezeichnet wird.  
https://www.youtube.com/watch?time_continue=38&v=2TPdhSC3SCU&feature=emb_logo

Ich möchte jetzt noch auf „Das Buch der fünf Ringe“ von Miyamoto Musashi (1584 – 1645) eingehen. In dem Buch schreibt Musashi ausführlich über Gehen und Haltung.

Musashi hat im Alter von 13 – 29 Jahren über 60 Kämpfe bestritten, sowohl mit Holzschwert als auch mit echtem Schwert und immer gewonnen. Ab 30 fing er an zu reflektieren, worauf seine Siege zurück zu führen waren. War er so geschickt oder waren seine Gegner so schwach? Über 20 Jahre hat er sich mit dieser Frage auseinander gesetzt. Dann, im Alter von ca. 50 Jahren, beschloss er das Schwert abzulegen und es nicht mehr bei sich zu tragen. Das war mit einer gewissen Gefahr verbunden, da er sich durch seine Siege natürlich auch Feinde schaffen hatte, so dass er immer auf der Hut sein musste. Aber er empfand, dass der Alltag sein Lehrmeister war und er aus jeder Situation etwas lernen konnte.

Er begann dann „Das Buch der fünf Ringe“ zu schreiben, um seine Erfahrungen weiter zu geben. Dort hat er auch ausführlich über Haltung, Fußbewegung und über das Schwert, wie man es hält und schlägt, geschrieben. Haltung und Gehen ist die Basis jeder Kampfkunst. Oft sind für richtige Haltung und Gehen zuerst einmal feste Angewohnheiten und Bewegungsmuster abzulegen.

Musashi beschreibt eine richtige Haltung folgendermaßen:
Der Kopf soll nicht nach oben, gesenkt, schräg oder zwischen den Schultern eingezogen gehalten werden. Da der Kopf sehr schwer ist, ungefähr 7 Kilogramm, kann sich dieses große Gewicht bei einer schlechten Kopfhaltung auf die Funktion von Augen, Ohren und Nase auswirken. Es kann auch zu Beschwerden / Fehlstellungen der Halswirbelsäule, Schultern und Schulterblätter und der Wirbelsäule führen.

So sagt Musashi auch:
-  Die Achse des Nasenrückens soll gerade gehalten werden und das Kinn ganz leicht nach vorne gestreckt werden, aber nicht zu viel. (Wenn man z.B. müde ist, dann streckt man oft das Kinn nach vorne.)
Musashi erklärt, dass der Kopf durch die Nackenmuskeln nach hinten gezogen und damit gerade gehalten werden soll.

Wie wichtig eine gute Kopfhaltung ist, kann man ganz leicht ausprobieren, in dem man z. B. bei einer schrägen Kopfhaltung versucht tief einzuatmen. Das ist sehr schwierig.
-  Die Augen sollen ruhig sein, es soll nicht ständig geblinzelt werden, sondern die Augen sollen ganz leicht schmaler gemacht werden.
-  Die Stirn soll nicht in Falten und die Augenbrauen nicht zusammen gezogen werden.
-  Außerdem soll man darauf achten, dass die Schultern gleich hoch, also in Waage und gleichzeitig locker und entspannt sind. Der Rücken soll aufgerichtet, das Kreuz gerade sein. Durch diese Körperhaltung wird eine stabile Säule aufgebaut, auf der der Kopf stabil und fest sitzt.

Wenn das Kreuz gerade ist, zeigt der Bauch nach vorne und es entsteht eine Spannung im Unterbauch. Er wird dadurch zum Mittel- und Schwerpunkt des Körpers.

-  Das Gesäß soll nicht herausgedrückt werden. Das heißt aber nicht, dass das Gesäß bewusst flach gehalten werden soll. Denn wenn das Kreuz gerade steht, der Unterbauch gespannt ist, dann zeigt das Gesäß automatisch nach außen, aber nicht so viel, dass der Oberkörper nach vorne vorgebeugt ist. Es entsteht so eine schöne doppel-S-förmige Kurve der Wirbelsäule.
-  Die Kraft soll in den Füßen und nicht in den Knien liegen und gleichmäßig auf beide Füße verteilt sein.
Diese Haltung bewirkt, dass der Schwerpunkt vorne bei den Zehenballen liegt. Sie sollte man auch beim Sitzen, Im Seiza, beim Essen usw. einnehmen.

Ich empfinde, dass Musashi eine besondere Gabe hatte, der Einheit des Körpers und der Körpergesetze gewahr zu werden und das Innere des Körpers zu sehen und zu verstehen.

Er hat ebenso die Fußbewegung genau beschrieben:
Beim Gehen sollen nur die Zehen leicht angehoben werden, nicht der ganze Fuß. Die Ferse bleibt auf dem Boden.
Wenn man z. B. mit dem linken Fuß nach vorne geht, verlagert sich der Schwerpunkt des rechten Fußes auf die Zehen, der Schwerpunkt vom linken Fuß liegt dann auf der Ferse. Beim Gehen findet dann ein ständiger Schwerpunktwechsel statt, egal, ob große oder kleine, schnelle oder langsame Schritte. Für diese Art des Gehens ist eine aufrechte Körperhaltung Voraussetzung.

Für mich entspricht Musashis Beschreibung vom Gehen der Charakteristik von Suriashi, obwohl er den Begriff nicht benutzt.

Seine Darstellung von Haltung und Gehen sollte man im Alltag und auch beim Schwertschlagen anwenden. Wenn man Musashis Beschreibung von Haltung und Gehen nur partiell betrachtet, ist es schwer zu verstehen und auszuführen. Nur als Gesamtheit ist es machbar, da eins vom andern abhängt.

April 2020, Kenji Hayashi
(nach bestem Wissen und Gewissen übersetzt von Ulla Hayashi

Kuzushi - aus dem Gleichgewicht bringen

Der körperliche Unterschied zwischen den Menschen kann entscheidend sein für Sieg oder Niederlage. Aber auch körperlich große und starke Menschen können von kleinen und schwachen Personen besiegt werden. Das ist natürlich nicht so einfach, aber es gibt verschiedene Beispiele dafür. Zum Beispiel gab es den sehr berühmten, schon legendären Judomeister Kyūzō Mifune. Auf Videos ist zu sehen, wie er als „alter, schwacher, kleiner Mann“ große und starke Angreifer wirft. Seine Bewegungen und Techniken sehen dabei ganz einfach und natürlich aus.

In seinem Buch habe ich gelesen, dass Kuzushi, den Partner aus dem Gleichgewicht bringen, die Basis seiner Techniken ist. Denn wenn der Partner aus dem Gleichgewicht gebracht worden ist, dann können die verschiedensten Techniken gut und präzise angewendet werden, da der Partner einen wackeligen Stand hat. Ohne Kuzushi ist keine Technik wirksam durchführbar.

Daitō-ryū Aiki-jūjitzu ist die Vorstufe von Aikido. Takeda Sōkaku, ein berühmter Lehrer des Aiki-jūjitsu hat gesagt:
„Ohne ‚Aiki‘ ist eine Technik wirkungslos. Denn ohne dass die Energie von Angreifer mit der eigenen zusammen geführt wird, wirken Techniken nicht. Sonst könnte ich mit meinen 80 Jahren, meiner kleinen Körpergröße und ca.50 kg Gewicht nicht einen großen, schweren Mann werfen.“

Ich glaube, mit „Aiki“ hat Takeda Sōkaku „Kuzushi“ gemeint.In der alten Schwertkunst haben die drei großen Meister Tsukahara Bokuden, Kamiizumi Ise-no-kami und Yamaoka Tesshu auch über Kuzushi geschrieben. So hat zum Beispiel Yamaoka Tesshu gesagt, dass Kuzushi notwendig ist, um einen Angreifer das Schwert (mit bloßer Hand) abzunehmen.

Auch in der japanischen Mythologie, im Kojiki-Buch, wird über Kuzushi berichtet. Das Kojiki, Aufzeichnung alter Geschehnisse, beschreibt die Mythologie und Frühgeschichte Japans, die Entstehung des japanischen Kaiserhauses und die japanische Reichsgeschichte. In diesem Buch wird auch über Tegoi, eine sehr alte Kampfart, berichtet:

Der Gott Takemikazuchi no kami fordert von dem Gott Takeminakata no kami, der auf der Erde lebt, Land zurück. Er steckt zwischen sich und dem Erdengott Takeminakata no kami  ein Schwert mit dem Griff in die Erde und erreicht während eines Gesprächs, dass ihm das das Land zugesprochen wird.

Ich denke, das war „Kokoro no Kuzushi“, ein geistiges aus dem Gleichgewicht bringen. Kuzushi wird aber nirgends genauer erklärt oder als „Technik“ unterwiesen. Bei meinen 10-jährigen Schwert-Schlagübungen (am Stamm) habe ich gespürt, dass eine Technik besonders effektiv ist, wenn ich jede Bewegung kreis- bzw. spiralförmig ausführe. Ich denke, dass das Kuzushi ausmacht, dass das Kuzushi ist.

Ich möchte nicht, dass es ein Geheimnis bleibt, sondern ich möchte das mit euch zusammen üben.

Januar 2020, Kenji Hayashi

Budo und Atmung   -  Vortragstext bei der Vorführung im Stadtpark

Beim Budo steht für mich nicht Siegen oder Verlieren im Vordergrund. Viel wichtiger ist es, seinen Körpermittelpunkt, japanisch „hara“ genannt, zu finden und sich aus dieser Mitte heraus zu bewegen. Dafür sind Atemübungen ganz wichtig, bzw. sie sind eine gute Methode, um diese Mitte zu finden und zu stärken.
Auch für ein gesundes Leben ist eine gute Atmung ausschlaggebend – das vergessen wir oft.

Eine traditionelle Übung im japanischen Budo ist  „Suburi“  - mit dem Schwert schlagen.  Dabei wird nicht nur das Schlagen geübt, sondern gleichzeitig wird auch die Atmung entwickelt und gestärkt. Suburi – das Schlagen mit dem Schwert – wird heute noch in der gleichen Art und Form geübt wie auch schon früher und sieht sehr einfach aus. Aber wenn man diese schlichte Übung jeden Tag 100- oder 1000-Mal oder auch mehr macht, so spürt man eine deutliche Entwicklung von hara – der Körpermitte.
So wird besonders der Beckenbereich gestärkt, ebenfalls übt man einen stabilen Stand und festen Griff. Dadurch ist Suburi, das Schwert-Schlagen, eine gute Grundlage für alle Budotechniken. Die Techniken werden so effektiv und lebendig.

Aber nicht nur die Körpermitte und die Muskeln entwickeln sich, sondern wie schon gesagt, die Atemkraft  „Kokyuryoku“  wird durch das viele Üben auch gestärkt. Die Atmung wird kräftig, tief und lang. Ein Budo, bzw. Techniken ohne Atemkraft sind nicht so wirkungsvoll, sie sind unvollendet.

Worauf beruht Atemkraft? Einfach erklärt: bei guter Atemkraft wird das Zwerchfell bei seinen Bewegungen (die das Ein- und Ausatmen bewirken) wirkungsvoll von den Bauch-, Becken- und Rückenmuskeln unterstützt. Dadurch wird die Atmung stark und effektiv, man kann von einem starken Mittelpunkt – starkem hara – sprechen.

Die Atmung ist ebenfalls für unsere Gesundheit bedeutsam: Bei einer kraftvollen, tiefen Atmung findet ein guter Gasaustausch statt. Damit wird die Durchblutung angeregt und gleichzeitig werden durch die intensive Zwerchfellbewegung auch die Bauchorgane massiert. Ebenso wird auch das Vegetative Nervensystem angeregt. Das wiederum hat Auswirkungen auf unsere Stimmung, unsere Laune. Eine gute Atmung wirkt sich also positiv auf unser Gemüt aus!  Ärger, Angst und Stress werden abgebaut und unsere Stimmung wandelt sich zum Positiven, zu einer friedlichen, harmonischen Stimmung.

So eine seelische Verfassung ist eine wichtige Voraussetzung um ein gutes Budo zu praktizieren. Denn wir leben dann in Einklang mit unserem Körper und Geist
Das bedeutet traditionelles jap. Budo – so wie ich es verstehe und unterrichten möchte und auch bei dieser Vorführung hier zeigen möchte.

August 2016, Kenji Hayashi

Schwert und Atmung

Es gibt viele verschiedene Budokünste. Wenn man sie verallgemeinernd betrachtet, wird ersichtlich, dass das Schwert im Mittelpunkt steht. Demzufolge kann man sagen, wenn man die Gesetzmäßigkeit und Kunst des Schwertschlagens versteht, also den „Weg des Schwertes geht“, dann versteht man Budo.
Das Schwert ist zwar eine Waffe, mit der Menschen getötet werden können, aber das ist nicht im Sinne des Budos. Durch intensives, ernsthaftes und gewissenhaftes Üben wird die Schwertkunst zu einem Weg, um sich, den Körper und Geist-Seele zu verstehen und zu verbinden. Ein Weg, um die Natur und die Energie des Universums zu erfassen.
Ich denke, es war auch schon früher für die Menschen ein Weg, um zur Erleuchtung zu gelangen. Darum ist das Schwert seit alters her ein heiliger Gegenstand. In vielen Schreinen werden Schwerter aufbewahrt und verehrt. So hat auch heute noch in Japan das Üben mit dem blanken, scharfen Schwert den Ruf, ein Weg zu Klarheit, Reinheit und Erleuchtung zu sein.

Durch Schwertschlagen wird geübt, eine gute Körperhaltung einzunehmen. Gleichzeitig werden durch die Übungen Geist und Seele geschult, so dass man kann sich selbst besser kontrollieren kann. Dabei ist die Atmung das Verbindungsglied zwischen Körper und Geist. Auf Grund dessen kommt der Atmung eine große Bedeutung zu, und sie spielt eine wichtige Rolle für eine korrekte Ausführung einer Budotechnik.

Die Atmung hat nicht nur die Aufgabe Sauerstoff dem Körper zuzuführen und CO2 wieder aus dem Körper zu leiten. Sie ist auch ausschlaggebend für die Kraft in Bauch- und Beckenbereich. Bei der Atmung findet eine Bewegung des Zwerchfells statt. Diese Bewegung wirkt sich auf viele Muskeln und damit auf die Kraft von Bauch, Becken und Rücken aus; auch auf die Beckenbodenmuskeln und den Aftermuskel. Im Japanischen gibt es für die Unterbauchkraft den Begriff „hara no chikara“. Beim Schwertschlagen ist ein Zusammenspiel mit dieser Kraft und der Arm- und Handhaltung (am Schwertgriff) sowie der Bein- und Fußhaltung und der Fußbewegung entscheidend für die Wirksamkeit einer Technik.
Der richtige Einsatz von Atmung in Zusammenhang mit Kraft und Bewegung ist als eine Körper-Geist-Seele - Übung anzusehen, die dem eigenen Selbst eine Weiterentwicklung ermöglicht. Das beschreibt auch Musashi in seinem „Buch der fünf Ringe“ und auch Yamaoka Tesshu in seinen Büchern.

Vor mehr als sechs Jahren habe ich angefangen, gegen einen senkrecht stehenden Holzstamm zu schlagen. Ich habe dabei festgestellt, dass anders als bei „Schlägen in der Luft“, sehr schnell eine Rückmeldung von den Fehlern, die man macht, kommt. Meistens zeigen sie sich durch Schmerzen und Verspannungen in Schultern oder Rücken, Arm und anderem. Aber dadurch wird man auf seine Fehler aufmerksam. Der Holzstamm wird so zu einem Lehrer, der sagt, wie gut oder schlecht die Schlagübungen sind.

Vor ca. 3 Jahren ist mir durch viel vorangegangenes Üben klar geworden, wie ich richtig schlagen muss. So übe ich jetzt intensiv jeden Tag, ohne dass ich Körperprobleme bekomme. Dabei ist mir in letzter Zeit bewusst geworden, dass das Schlagen gegen den Holzstamm gleichzeitig eine sehr gute Atemübung ist. Bei jedem Schlag atme ich intensiv aus, egal ob ich den Schlag mit oder ohne laute Stimme ausführe. In jedem Fall stärke ich dadurch meine Atemkraft.

Dieses Schlagen bewirkt einen Kumbahaka-Zustand, wie ihn Tempu Nakamura beschrieben hat (Kumbahaka siehe auch Text unten und Kenjis Themen Teil 1). Beziehungsweise es entsteht ein „Flaschenkürbisbauch“, wie Hakuin Zenji ihn in seinen Texten beschreibt.
Solch ein Bauch bildet sich, wenn sich bei der Ausatmung das Zwerchfell nach unten bewegt. Dadurch wölbt sich der Unterbauch etwas vor, er wird dick, und der Aftermuskel schließt sich. Der Bauch ist dann rund und fest - wie ein Kürbis. Dabei ist es auch ganz wichtig, den Bereich oberhalb, das Sonnengeflecht (Mizuochi), zu lockern und zu entspannen, so dass dort eine Kuhle entsteht. Von der Seite gesehen ergibt sich dann die Silhouette eines "Flaschenkürbisses“. Körperlich gesehen werden durch die Atembewegung auch die Bauchorgane gestärkt, da die Durchblutung angeregt wird. Ohne diesen „Flaschenkürbisbauch“, bzw. Kumbahaka-Zustand entstehen beim Schlagen auf den Holzstamm Probleme im Körper.

Es ist natürlich auch möglich, diese Atmung ohne Schwert zu üben. Ob mit oder ohne Schwert, wichtig ist dieser Körperzustand. Er stärkt mich, macht mich lebendig und hält mich gesund. Außerdem bewirkt diese Atmung eine positive Lebenseinstellung, durch die sich seelische Probleme lösen. Die Körperbewegungen werden lebhaft und beschwingt. Darum mache ich jeden Tag meine Schlagübungen.
Diese Atmung ist für mich auch wichtig beim Taido-Training und auch im täglichen Leben.

Juli 2016, Kenji Hayashi
                                                                     

Taido und Sotaiho

Ich habe vor 15 Jahren mit Shizen-Taido begonnen. Davor habe ich Aikido unterrichtet. In meinem jetzigen Taido, in den Techniken und im Gedankengut, sind die Prinzipien von Sōtaiho fester Bestandteil. Für mich sind die Grundsätze von Sōtaiho die Basis von allen Kampfkünsten. Und diese Basis möchte ich unterrichten.
So ist der Sōtaiho-Gedanke, dass für eine richtige und gesunde Atmung, Bewegung, Ernährung und Lebenseinstellung, jeder persönlich für sich selbst die Verantwortung trägt, auch für Budokünste typisch.

Dr. Hashimoto, der Begründer der Sōtaiho-Methode, hat sich intensiv mit den natürlichen Bewegungsgesetzen des Körpers auseinandergesetzt. Auf seinen Beobachtungen und Erfahrungen basiert das Prinzip: Verspannungen und Knochenfehlstellungen werden abgebaut, wenn Bewegungen zur angenehmen Seite/Richtung ausgeführt werden.
Bei seiner Krankenhaustätigkeit hat Dr. Hashimoto festgestellt, dass bei einem schiefen Körper, also bei Fehlstellungen im Knochenskelett, auch immer Muskelverspannungen und Muskelverhärtungen vorhanden sind. Diese üben einen Druck auf Blutgefäße und Nerven aus, so dass dadurch der Blut- und Energiefluss eingeschränkt ist.

Das zeigt sich ebenso bei Budokünsten, wenn die Techniken mit Muskelkraft ausgeführt werden. Sie sind dann nicht so wirksam und effektiv, denn durch den Krafteinsatz sind die Muskeln hart und fest, und ebenso wie verspannte Muskeln, üben harte Muskeln auch einen Druck auf die Gefäße und Nerven aus.
Das trifft ebenfalls zu, wenn die Körperhaltung bei der Ausführung der Techniken krumm und schief ist. Dazu kommt noch, dass sich durch eine schlechte Haltung negative Bewegungsmuster einschleifen, die den Körper noch weiter belasten und dann zu einer Fehlstellung der Knochen führen können.

Auch Dr. Hashimotos Ausführungen zum Schwerpunkt im Körper, also zu der Lage und Verlagerung des Schwerpunkts bei Bewegungen, sind nicht nur für einen stabilen und gesunden Körper wichtig. Sie sind auch ein ausschlaggebendes Kriterium für die Wirksamkeit von Budotechniken.
Das Gleiche gilt auch für sein Prinzip der „Ganzkörperbewegung“: Jede Bewegung muss von der Körpermitte ausgehend durch den ganzen Körper gehen.

Je mehr ich mich mit Sōtaiho beschäftige, es praktiziere und lehre, desto mehr begeistert es mich und zeigt mir Lebenswege auf.
Ich habe festgestellt, dass man es wie eine Budokunst jeden Tag für sich praktizieren sollte. Dadurch lernt man seinen Körper gut kennenzulernen und wird sensibel und aufmerksam. Veränderungen, Probleme, Verspannungen und Krankheiten können so frühzeitig gespürt und dann behandelt werden.

Von Dr. Hashimotos Erkenntnissen profitiere ich sehr und bin ihm sehr dankbar.

Juni 2015, Kenji Hayashi 

Kotodama  –  Kumbahaka  –  Ken-no-Suburi   

Ich möchte auf Grund meiner Erfahrungen den Zusammenhang zwischen diesen drei Techniken erläutern.

Mit dem Begriff  Kotodama  werden Worte / Laute bezeichnet, die eine besondere Kraft und Energie beinhalten. Kotodama war in Japan schon in früheren Zeiten wichtig und gebräuchlich. Der Aikido-Begründer Morihei Ueshiba sagt z.B. über Aikido, bzw. die Silbe Aiki, dass sie eine spezielle Wirkung und Kraft beinhaltet.
Kotodama ist auch als gesprochenes Wort(e) zu verstehen, dass eine spezielle Wirkung erzeugt. Negative Worte ziehen negative Auswirkungen nach sich, positive Worte wirken sich positiv aus.
Meister Ueshibas Lehrer, Deguchi Wanisaburo (Begründer der Ōmoto-kyo Religion), erklärt Kotodama sehr ausführlich und tiefgreifend. Seine Erklärungen sind aber schwer zu verstehen, aber ich finde, sie sind auch in der heutigen Zeit für uns von Bedeutung.
Ich versuche es einfach zu erläutern: In allen Sprachen finden sich die Vokale a e i o u, sie sind die Basis einer Sprache. Diese Vokale haben ihren Ursprung im Laut „Su“ (gesprochen mit einem scharfen S, wie im engl. sister). Andersherum gesagt, aus dem Su-Laut werden die Vokale und dann weitergehend alle Worte geboren.
Der Su-Laut wird von Deguchi Wanizaburo, bei der Omoto-kyo-Religion und auch beim Takemusu-aiki als Kreis mit Punkt in der Mitte dargestellt:    
                                           
Beim Omoto-kyo wird Su auch als Laut bezeichnet, aus dem das Universum entstanden ist und somit als Basisenergie.
Dieser Laut wird auch in vielen japanischen Schriften erwähnt. Es gibt auch viele Worte, die mit dem Su-Laut beginnen.

Ueshiba schreibt in seinem Buch Takemuse-Aiki:
Su ist ein Laut, der sich in allen Richtungen, nach oben, unten und seitlich ausbreitet und so zu einem Kreis wird. Damit beginnt die Atmung. Aus dem Su entsteht dann der einzelne Vokal „U“. Der U-Vokal steigt von unten nach oben auf und es entsteht der Vokal „A“. Wenn die Schwingung A wieder heruntersinkt entsteht das „O“. Aus diesen Vokalen, u a o, entwickeln sich die sechs Silben ta - ka - ma - ha - ra. Aus dem letzten Laut, aus Ra, entsteht eine kreisende Bewegung, eine rechtsdrehende aufsteigende Spirale. Aus dieser Spirale entsteht wiederum eine sich abwärts-, linksdrehende Spirale. Aus den Spiralen ergeben sich dann verschiedene Zusammenhänge und Verbindungen.

Ich denke, ich habe nur etwas von diesen Erklärungen verstanden und dass meine Erläuterungen unzureichend sind. Wenn ihr es genauer verstehen möchtet, lest es bitte selber nach.

Ich möchte jetzt aber von meinen eigenen Erfahrungen mit dem Su-Laut berichten. Wenn ich den Su-Laut immer weiter wiederholt habe, wurde das „u“ immer länger und nach einiger Zeit blieb nur das U übrig.
Für mich tauchte jetzt die Frage auf, ob nicht das U, bzw. die daraus entstandenen Vokale Vokale a e i o ausreichend sind, ohne das Su. Das war mir lange Zeit nicht klar. Ich habe aber dann bei meinen Übungen die Bedeutung des Su-Lautes gefühlt:
Ich habe das Gefühl, dass der Su-Laut zuerst zum Steißbein geht, dort schwingt und die Muskeln vom Aftermuskel anregt. Dadurch entwickelt sich eine „hochziehende“, schließende Wirkung auf den Aftermuskel, so dass auf natürliche Weise der Kumbahaka -Zustand entsteht. (zum Thema Aftermuskel siehe: Kumbahaka-taisei, weiter unten,  und Kumbahaka, Teil 1-4) Dadurch entfaltet sich im Unterbauch ein angenehmes Gefühl und so kann sich auch ein guter Schwerpunkt entwickeln.
Das war mit dem U-Laut allein nicht so gut zu spüren.

Beim Su-Laut stößt die Zunge vorne leicht an die Zähne, beim U-Laut bleibt die Zunge weiter hinten, außerdem sind die Zähne beim U etwas weiter geöffnet. Wenn nach dem „S“ das U folgt, geht die Zunge etwas zurück, die Kiefernmuskeln lockern sich, der Mund verbreitert sich und es entsteht eine Art Lächeln.

Wo ist jetzt die Verbindung zum Budo / Taido?
Die Verbindung ergibt sich durch Meister Tada. Meister Tada war ein Schüler von Tempu Nakamura, der intensiv Kumbahaka unterrichtet hat und auch sehr viel Wert auf positive und bestärkende Worte gelegt hat. Meister Tada hat das wiederum an mich weiter gegeben und ich habe gespürt, dass das auch für mich wichtig ist und eine positive Wirkung hat.

Ich schlage viel mit dem Holzschwert auf einen stehenden Holzstamm. Den Schlag verbinde ich mit dem Laut „eiiiii“. Dieser Laut wird sehr in die Länge gezogen, besonders am Ende das „i“. Dabei habe ich das Gefühl, dass beim Schwertschlagen durch „eiiii“ im Körper das gleicht Gefühl entsteht, die gleichen Vorgänge ablaufen wie beim den Lauten „su - u - a - e - i - o.
Wenn ich auf den Holzstamm schlage, Ken-no-Suburi übe, ist meine Technik anders als das normale Suburi. Direkt nach dem Schlag drehe ich die Schwertklinge zur rechten Seite. Dadurch entsteht eine linksdrehende Bewegung. Danach führe ich das Schwert nach oben und drehe es beim Schlag, den ich mit voller Atemkraft und dem „eiii-Laut“ ausführe, wieder zurück. Die Klinge zeigt dann nach unten. Durch diesen Bewegungsablauf entsteht eine Spiralbewegung. Durch die Spirale entsteht eine „Verdrehung“ der Hände. Mein Gefühl ist: ich wringe dir Hände, ich wringe das Schwert aus und ich „wringe“ die letzte Luft aus dem Brustkorb heraus.
Wenn ich die so Bewegung ausführe, dann habe ich das Gefühl, dass die Laute  su - a - o - e - i - u  in meiner Bewegung enthalten sind, auch wenn ich sie nicht äußere. Ebenso spüre ich dabei auch die Laute  ta - ka - ma - ha - ra.  Besonders den Spirallaut „Ra“ fühle ich bei der oben beschrieben, spiraligen Schwertbewegung

Wo und wie das genau zu spüren ist, kann ich nicht erklären. Das müsst ihr selbst erfahren.
Wie von Deguchi Wanisaburo erklärt, ist Su die Basis, der Ursprung, des Universums und damit auch der Ursprung der Bewegung. Das ist für mich der Punkt, der den Su-Laut so interessant macht.
Wenn ich die Taido-Techniken dem Su-Laut beginne (sanft und leise), dann fließt die Energie leichter zum Partner hin, die Fußbewegungen sind lockerer und schneller. Die Spannung zwischen Angreifer und Verteidiger löst sich auf. Es entsteht eine Harmonie und das Training macht Freude.

Januar 2015, Kenji Hayashi  

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