Kenjis Themen  -  Teil 2   April 2010 - Feb. 2012

Themen:
Ashisabaki - Fußbewegungen, April 2010
Kokyuho - Atmung, Mai 2010
Koi-no-te (Teil 1) - Tegoi, Nov. 2011
Koi-no-te (Teil 2), Nov. 2011
Atemtechnik - Sotaiho-Atmung, Dez. 2011
Ukashi, Jan. 2012
Liegestütze, Gesundheit u. Budo, Feb. 2012

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Haltung und Zen und Mut, Feb. 2009
Nabelschau  -  der Bauchnabel, März 2009
Schulterhaltung, April 2009
(meine) Atmung, Juni 2009
Kumbahaka (Teil 1), Juli 2009
Kumbahaka (Teil 2), Jan. 2010
Kumbahaka (Teil 3) - Schultern entspannen u. Tategi-uchi, Feb. 2010
Kumbahaka (Teil 4) - Aftermuskel schließen, März 2010

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Ashisabaki - Fußbewegungen

Durch Ashisabaki-Übungen wird der Körper gut ins Gleichgewicht gebracht und dadurch geschützt. Außerdem wird geübt, sich genau nach den eigenen Vorstellungen zu bewegen. Natürlich sind wir fähig  stehen zu bleiben, zur Seite oder nach vorne zu gehen, uns umzudrehen usw. Aber wir haben oft eingefahrene Bewegungsmuster, die den Körper negativ beeinflussen. Beispielsweise rollt der Fuß beim Gehen fälschlicherweise zu sehr auf der Fußaußenkannte ab oder der Schwerpunkt liegt bei den beiden Füßen jeweils an unterschiedlichen Punkten, so dass ein wackeliger, hin- und her schwingender Gang entsteht. Oft ist auch unser Reaktionsvermögen schlecht. Das hat zur Folge, dass unsere Bewegungen unnatürlich, unkoordiniert und damit chaotisch sind. Solche Bewegungsmuster sind durch verschiedenste Beeinflussungen und meist über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden.

Unsere Füße werden durch unser Denken in Bewegung gesetzt, durch unser Gehirn, das wie eine Art Motor unseren Körper in Bewegung setzt. Vom Kopf aus geht ein Befehl durch das motorische Nervensystem zu den Fußmuskeln hin. Die Füße andererseits fühlen. Sie fühlen Unebenheiten, Glätte, Weichheit, Nässe usw. Diese Empfindungen werden dann durch Nerven zum Gehirn hin übermittelt, das dann wiederum unsere Bewegungen beeinflusst.

Die Ashisabaki-Fußbewegungen beim Budo werden in einer festen Reihenfolge (kata) durchgeführt und sind insofern auch nicht natürlich. Aber durch viel Üben werden die Fußbewegungen mit der Zeit automatisch durchgeführt und dadurch wieder zu natürlichen Bewegungen. Deshalb ist bei den Ashisabaki-Fußbewegungen eine gute Hirnaktivität wichtig und ausschlaggebend für unsere Bewegungen. Durch die festgelegte Bewegungsabfolge wird Exaktheit und Ausdauer geschult und gleichzeitig wird auch die Hirn- und Nervenaktivität gefördert.

Ich kann auch aus meiner Erfahrung sagen: wenn ich bei den Ashisabaki-Übungen auf Kumbahaka achte, sind die Bewegungen besser und effektiver und negative Gedanken wandeln sich ins Positive. Da sich die Konzentration auf die Füße richtet, werden die Durchblutung und der Ki-Fluss unterstützt, so dass der Kopf klar und frei wird.
Solange die Fußbewegungen noch nicht automatisch durchgeführt werden, sind die Bewegungen holprig und unharmonisch. Unsere Füße verhalten sich dann wie ein Pferd, das noch nicht gelernt hat beim Befehl Stopp stehen zu bleiben und auf Befehl weiterzugehen. Wenn dann der Ablauf der Fußbewegung klar geworden ist, setzt die Suche nach einem Rhythmus in den Bewegungen ein. Bei einem guten Rhythmus fühlt sich der Körper leicht und frei an, die Bewegungen sind fließend, automatisch und natürlich und im Körper ist ein guter Ki-Fluss spürbar.
Dieses Spüren des Ki im Körper ist das eigentliche Ziel von Ashisabaki.

April 2010, Kenji Hayashi                                                                        nach oben zum Seitenanfang

 

Kokyuho – Atmung

Menschliches Leben ist immer mit Atmung verbunden. Es heißt in Japan auch, dass je nach Atmungsqualität das Leben hell und leuchtend oder dunkel und düster ist. Das ist leicht nachvollziehbar. Aber wie soll eine gute Atmung sein?

Ich habe vor 33 Jahren mit Aikido begonnen. Dabei ist mir aufgefallen, dass in vielen Aikidotechniken das Wort Atmung enthalten ist. Aber ich habe dabei lange Zeit nicht den Zusammenhang zwischen den Techniken und der Atmung gesehen. Dabei wird die Technik Tachiwaza-kokyuho (Atemkrafttechnik  im Stehen) als Grundlage für viele Aikidotechniken angesehen. Hiriki no yosei (Ellbogenkraft - von den Schriftzeichenher her sehr einfach übersetzt) ist der frühere Name der Technik. Es gibt auch noch Aikidorichtungen, bei denen diese Bezeichnung benutzt wird.
Im Unterricht wird bei Tachiwaza-kokyuho die Atmung, bzw. die Atemtechnik nicht gelehrt. Es wird Wert gelegt auf Schwerpunkt, Schwerpunktverlagerung, Mittelachse, Ellenbogenhaltung usw.  Das ist zwar kein Atemtechnikunterricht, aber richtige Haltung, Schwerpunkt usw. sind Voraussetzung, sie bewirken eine gute Atmung. Das sehe ich aber jetzt erst ganz klar.

Am Anfang, als ich in Japan bei Meister Tada mit Aikido begonnen habe, stand Kokyu-soren (Abfolge von Atemübungen) stark im Vordergrund. Er hat auch die „Atemführung“ im Körper unterrichtet: durch die Füße einatmen und durch die Hände ausatmen. Später habe ich im Ichikukai-Dojo bei Misogi-Übungen weitere Erfahrungen gesammelt. Misogi bedeutet  iki o migaku  -  den Atem polieren / putzen / reinigen. Dort habe ich auch Okinaga- und Nagayo-Atmung geübt. Bei diesen Atemübungen soll langsam durch die Nase eingeatmet, der Atem zum Unterbauch geführt und dann eine Weile im Unterbauch angehalten werden. Danach wird die Luft lange und ruhig durch den offenen Mund mit einem leisen "Ha-Laut" ausgeatmet.
Leider war meine Ausatmung nicht so ruhig und flüssig wie bei den fortgeschrittenen Schülern. Ich habe bei der langen Ausatmung gestockt, sozusagen gestottert. Meine Atmung war nicht geschmeidig sondern schwach. Warum, das war mir aber nicht klar.

Gleichzeitig zu der langen, ruhigen Atmung wird beim Misogi auch eine kurze, kräftige Atmung mit Hilfe des Mantras toho kami emi tame geübt. Da die Atmung dabei kurz ist, war das für mich kein Problem. Nach dem ersten intensiven dreitägigen Lehrgang war zwar meine Stimme weg und mein Körper müde, aber in mir war ein neues Gefühl geboren. Ich fühlte mich sehr wohl, erquickt und mutiger und innerlich hell und leuchtend. Daraufhin habe ich, so oft es mir möglich war, an Misogi-Lehrgängen teilgenommen. Ich hatte aber mit der langen Atmung weiterhin Probleme und deshalb besonders viel geübt. Dadurch sind bei mir noch mehr unklare Punkte und Fragen aufgetaucht:  Warum sollen bei Kokyu-soren die Schultern locker, der Aftermuskel geschlossen und Kraft in den Unterbauch gelegt werden? Wenn man Kraft in den Unterbauch legt, wird doch das Zwerchfell fest  und die Atmung dann dadurch behindert. Und fördert das nicht auch Hämorrhoiden und Leistenbruch? Außerdem heißt es auch immer, dass es gefährlich ist den Atem anzuhalten, da sich im Kopf ein zu  starker Druck aufbauen kann und die Brust hart wird. Es war alles unklar und ich war sehr unzufrieden.

Vor einiger Zeit habe ich das Buch von Dr. Nobuo Shioya, eines über 100-jährigen Japaners gelesen. Dadurch wurde mir vieles klar. Er beschreibt die Atmung folgendermaßen:
Beim Einatmen soll, von der Vorstellung her, der Atem nur in einem kleinen Punkt in der Mitte des Unterkörpers/Unterbauchs konzentriert /komprimiert werden. Nur in diesen Punkt soll Kraft gelegt werden. Um auch in den unteren Bereich der Lungenflügel gut Luft einatmen zu können, soll der Aftermuskel geschlossen werden. Das Atemhalten soll auch nur so lange durchgeführt werden, wie es angenehm ist und bevor es unangenehm wird, soll ausgeatmet werden.

Diese Erklärungen haben mir die ruhige, lange Atmung verständlicher gemacht. Und so ist mir die  Okinaga-Atmung zu einem Quell der Freude geworden. Viele verschiedene Atemtechniken und Atemübungen sehe ich jetzt als eine Form der Misogi-Atmung an.

Mai 2010, Kenji Hayashi                                                                        nach oben zum Seitenanfang


Koi-no-te    (Teil 1)

Tegoi

Bevor ich den Begriff  Koi-no-te erkläre möchte ich erst den alten japanischen Begriff  Tegoi, der in den alten Budokünsten verwandt wird, erläutern.

Das  Kojiki, Aufzeichnung alter Geschehnisse, beschreibt die Mythologie und Frühgeschichte Japans, die Entstehung des japanischen Kaiserhauses und die japanische Reichsgeschichte. Außer der Staatsgeschichte werden aber auch sehr gut die Lebens- und Denkgewohnheiten der damaligen Bevölkerung geschildert. Dadurch ist es für mich sehr interessant. Und in diesem Buch wird auch über Tegoi, eine sehr alte Kampfart, berichtet:

Der Gott Takemikazuchi no kami fordert von dem Gott Takeminakata no kami, der auf der Erde lebt, Land zurück. Es kommt zu einem Streit, den sie mit einem Tegoi-Kampf entscheiden wollen.
Zuerst umfasst der „Erdengott“
Takeminakata no kami die Hand von Takemikazuchi no kami, um so dessen Körper- und Ki-Kräfte zu spüren.
Die Hand von Takemikazuchi no kami fühlte sich erst an wie ein großer fester Eiszapfen und dann wie eine Schwertklinge.
Als anschließend Takemikazuchi no kami die Hand vom Erdengott
Takeminakata no kami ergriff, konnte dieser seine Kraft nicht steigern. Sein Arm wurde in der Hand von Takemikazuchi no kami zu einem Schilfrohr, das Takemikazuchi no kami knickte und zu Boden warf.

Takemikazuchi no kami zu Ehren wurde in der Nähe von Tokyo der Kashima-Jinju Schrein errichtet. Er ist eine sehr alte, berühmte Pilgerstätte für viele Budoka.

Sehr interessant ist, dass ebenso für den besiegten Erdengott Takeminakata no kami ein Schrein errichtet wurde, der Suwa-Jinja, in der Nähe von Nagano. Auch zu diesem Schrei pilgern die Budoka.

Tegoi beschreibt also eine sehr alte Kampfkunst,  te bedeutet Hand und goi leitet sich vom Verb kou ab. Koi / kou waren in der früheren Zeiten viel gebrauchte Wörter.

kou – um etwas bitten, anflehen          -        Koi – Bitte, Wunsch, Anliegen 
Bei zusammengesetzten Worten, wandelt sich das „K“ von Koi in ein „G“.

Beispiel:          Tamagoi   -  die Seele/n um etwas bitten
                          Amagoi    -  das Gebet, die Bitte um Regen
                          Kamigoi   -  die Götter um etwas bitten
                          Tegoi        -  die Hand fassen und um „Energie“ bitten

Bei Tegoi möchte man durch / über die Hand die Energie des Gegenübers aufnehmen, bzw. die Energie anziehen. Man kann sagen, Koi / Tegoi beinhaltet  Anziehungskraft.
Ein weiteres Beispiel dazu: wenn in alten Zeiten ein junges Paar heiraten wollte, so haben beide zusammen ein Koi-Lied gesungen, um so die gegenseitige Anziehung und Liebe zu stärken.

Der entgegengesetzte Begriff ist Harai. Er charakterisiert die Fliehkraft und bedeutet schlechte Dinge, Gedanken zu entfernen, von sich zu werfen, um so eine Reinigung durchzuführen.

Die Tegoi-Technik, - eine oder beide Hände umfassen, die Kraft des Gegenübers aufnehmen und ihn dann werfen -, diese Anziehungskraft-Technik ist heute noch im japanischen Budo zu finden. Zum Beispiel im Sumo, Kenjitsu, Karate und anderen Kampfkünsten; ebenso auch im Daitoryu Aikijujutsu  von Sokaku Takeda.
Yoshiyuki Sagawa, ein bekannter Schüler Takedas hat in seinem Buch die Tegoi-Technik
- unter einer anderen Bezeichnung -  als eine wichtige Daitoryu-Technik beschrieben.
Die Tegoi-Technik wurde wie eine Geheimlehre über Generationen hinweg an einen Nachfolger weitergegeben. Der erste Lehrer von Daitoryu war Yoshimitsu Minamoto, Sokaku Takeda war die 35. Generation. Aber natürlich wurde auch Yoshimitsu Minamoto von Lehrern unterrichtet, die ihm die Lehre von Tegoi vermittelt haben.

November 2011, Kenji Hayashi                                                                       nach oben zum Seitenanfang

 

Koi-no-te    (Teil 2)

Vor ca. 20 Jahren habe ich bei Meister Kajo Tsuboi Kiryuho gelernt. Am meisten haben mich die Kiryuho-Achtbewegungen und der Grundsatz “Schwerkraft nutzen“ beeindruckt.
Bei der spiraligen Achtbewegung unterscheidet man zwei Arten:
Yawarage und Harai. Die beiden Achtbewegungen finden auf der gleichen Linie aber in entgegengesetzten Richtungen statt.

    Yawarage                          Harai   (Das Verb harau bedeutet reinigen, wegtreiben, auskehren / Harai Reinigung)

Für mich war zwischen der Yawarage- und der Harai-Bewegung ein Unterschied spürbar. Ich hatte die Empfindung, dass ich durch Yawarage Dinge/Energie zu mir holte, zu mir zog, so wie ich es bei Tegoi (siehe unten, Teil 1) beschrieben habe. Währenddessen ich bei der Harai-Bewegung das Gefühl hatte, dass die Energie nach außen, von mir weg floss; beziehungsweise, dass ich Energie/Dinge von mir weg schickte.

Oft habe ich die Harai-Bewegung auf Dauer als ermüdend empfunden und habe deshalb viel Yawarage geübt. Aber ich hatte Schwierigkeiten diese Bewegung in mein Budo zu integrieren, so wie es uns Meister Tsuboi in seinen Techniken zeigte.
Beim Üben der waagerechten
- und auch senkrechten  8-Bewegung (es gibt viele Variationen) ist mir aufgefallen, dass es ganz wichtig ist, bei diesen Bewegungen den Körper und die Mittelachse senkrecht zu halten und nicht mit der Bewegung mitzuschwingen. Indem ich den Körper jetzt bewusst gerade hielt, sah ich Möglichkeiten mein Budo durch diese Bewegungen effektiver zu auszuführen.

Die Achtbewegung, bzw. Teile der Bewegung, die ich nun in meine Taido-Techniken eingefügt habe, habe ich noch weiter abgewandelt. Besonders das Handgelenk, aber auch der Ellbogen und das Schultergelenk/Schulterblatt werden verstärkt mit bewegt. Darum habe ich jetzt diese veränderte Achtbewegung umbenannt:

Koi-no-te      – Anziehungskraft-Bewegung
Ai-no-te (Harai-no-te)   – Fliehkraft-Bewegung

Zu der Bewegungsänderung bin ich auf Grund folgender Übungen und Erfahrungen gekommen:

1.)   meine langjährigen Eisenstange-Schlagübungen
2.)   intensives Auseinandersetzen mit den Sotaiho-Prinzipien
3.)   Ellbogenhaltung und -einsatz bei der Schwertkunst Jigenryu

Ein entscheidender letzter Punkt, der mich zur Koi-no-te – Bewegung geführt hat, hat der Budomeister Yukiyoshi Sagawa in seinem Buch über Daitoryu erläutert. Er hat die Bedeutung des Einsatzes der Handgelenke in Techniken ausgeführt. Ich habe allerdings nie Daitoryu praktiziert, so dass ich nicht weiß, ob die von Sagawa beschriebene Handgelenkbewegung meiner Technik entspricht oder aber anders als meine ist.

Seit ich Koi-no-te-Bewegungen einsetze, habe ich das Gefühl, dass meine Schultern während der Techniken locker und entspannt sind, überhaupt, dass meine Schultern lockerer geworden sind. Das gibt mir Selbstbewusstsein.

Vor zehn Jahren hatte ich häufig Augenentzündungen und oft sind mir nach dem Training Äderchen in den Augen geplatzt. Jetzt meine ich zu spüren, dass sich meine Augenprobleme gelöst haben. Meine Schultern, Ellbogen und Handgelenke sind jetzt lockerer. Ich habe vorher gar nicht gemerkt, wie hart und verspannt sie waren; und das hatte Auswirkungen auf meine Augen. Das alles zeigt mir, dass mein Weg richtig ist. Ich möchte ihn weitergehen und meine Techniken weiterentwickeln.

Bei Techniken mit Koi-no-te, spüre ich, dass ich nicht mehr mit der Kraft des Angreifers zusammenstoße, sondern es ist dann für mich sehr einfach eine oder auch beide Hände zu heben. Wenn mich der Angreifer mit Morote-tori fasst und ich bei der Technik Ikkoshin beide Hände hebe, verliert der Angreifer schnell das Gleichgewicht, sein Körper geht nach oben und er „schwebt“. Ich nenne dieses Hochgehen Ukashi.
Sowohl das mühelose Hochheben meiner Hände, als auch das Ukashi-Schweben des Angreifers sind ausschlaggebend für eine wirkungsvolle Technik, ansonsten besteht die Gefahr den Angreifer durch Kraft zu werfen.

November 2011, Kenji Hayashi               

Video zu Koi-no-te - Ai-no-te - Ikkoshin  –  hier klicken                 
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Atemtechnik  -  Sotaiho-Atmung

Beim Einatmen wird der Bauch dick – bei der Ausatmung zieht sich der Bauch nach innen und gleichzeitig entsteht eine langsam stärker werdende Spannung.

Das ist die normale natürliche gesunde Atmung (Bauchatmung). Sie ist besonders gut zu spüren, wenn die Ein- und Ausatmung langsam durchgeführt wird. Leider achten wir in unserem heutigen hecktischen Leben zu wenig auf unsere Atmung. Oft haben wir die Angewohnheit zu schnell und zu flach zu atmen. Das ist unserer Gesundheit abträglich.

Immer wieder hört man den Spruch: Lachen ist gesund. Das ist auch richtig, da Lachen immer mit einer kräftigen Ausatmung verbunden ist. Beim Lachen entsteht automatisch eine gesunde Spannung im Bauch. Außerdem ist die Ausatmung, bedingt durch die Dauer des Lachens besonders langandauernd. Lachen und einatmen geht nicht.

Beim Budo gibt es aber auch eine Atmung, bei der der Bauch beim Ausatmen dick ist und beim Einatmen dann etwas schmaler wird. So eine Atmung ist auch im Alltag zu finden. Ein Beispiel: Wenn man etwas Schweres, einen Wasserkasten zum Beispiel, hochhebt, atmet man (sollte man) automatisch aus und der Bauch wird dick und fest.

Wie eingangs beschrieben, ist es normalerweise andersherum. Beim Reden, zum Beispiel, atmet man aus und gleichzeitig zieht sich der Bauch nach innen. In der Redepause wird dann kurz und schnell eingeatmet, dabei wird der Bauch dick.

Während des Einatmens nimmt man Sauerstoff/Energie auf. Dabei füllen sich die Lungen mit der Luft und die Muskeln von Brust und Bauch dehnen sich. Damit sie sie sich auch gut dehnen können, müssen sie locker und ohne Spannung sein. Normalerweise ist die Einatmung relativ kurz. Da aber eine Atmung möglichst lang sein sollte, bedeutet das, dass die Ausatmung möglichst langgezogen ist.
Um noch mal auf das Wasserkastenbeispiel zurückzukommen, beim Heben einzuatmen ist sehr schwierig, das ist für jeden gut zu fühlen. Wenn man korrekterweise dabei ausatmet oder aber den Atem anhält, ist spürbar, dass der Unterbauch/Beckenbereich stark und kräftig ist und so die Schultern und Arme locker bleiben können.

Ich möchte noch ein weiteres Beispiel, das sehr gut die Wirkung der Atmung zeigt und aus dem Budo kommt, aufführen: beim Schwertschlagen oder Fauststoß (Chudan-tsuki) atmet man immer aus. Zusammen mit einer Einatmung sind die Bewegungen schwach und wirkungslos. So ist es fast unmöglich einen Angreifer zu werfen/zu Boden zu bringen, wenn man dabei einatmet.

Nach dem Schlag/Stoß/Wurf wird dann kurz und unauffällig eingeatmet. Möglichst unauffällig deshalb, da in der Einatmungsphase der Körper auf „Aufnahme“ von Luft und Energie gepolt und darum schwach und angreifbar ist.

Mich erreichen öfters Fragen zur Atmung, nicht nur zur Budo-Atmung sondern auch speziell zur Sotaiho-Atmung.
Für die Sotaiho-Techniken gilt das gleiche Prinzip wie auch beim Budo. Während einer Bewegung sollte, wie bei einer Budotechnik auch, ausgeatmet werden. Beim Budo ist nur besser spürbar, dass der Körper beim Einatmen unstabiler und nicht so stark ist. Außerdem können bei einer Einatmung, verbunden mit einer Kraftbewegung, leicht Verrenkungen oder Knochenfehlstellungen entstehen. Zum Beispiel ein Hexenschuss, wenn man einen schweren Wasserkasten hochhebt und dabei einatmet. Das ist der Grund, warum bei allen Sotaiho-Techniken von Beginn jeder Bewegung an, ausgeatmet wird. Dadurch werden eine kraftvolle Bewegung und ein starker Körper erzielt. Die Sotaiho-Techniken sind dadurch wirkungsvoller und es können sich die Fehlstellungen im Knochenskelett des Körpers wieder einrenken (weitere Erklärungen siehe
Sotaiho - Heilgymnastik).

Sotaiho-Beispielübung: Vorbeugen - zurückbeugen     

Bevor man sich nach vorne beugt, wird kurz eingeatmet und dann gleichzeitig mit dem Vorbeugen ausgeatmet.
Ehe man sich aufrichtet, wird wieder kurz eingeatmet und dann, während der Aufricht-Bewegung, ausgeatmet. (BeimAufrichten wird zuerst der Kopf gehoben und nach vorne gesehen. Das entlastet die Wirbelsäule. Erst dann geht der Oberkörper langsam hoch.)

Bevor man sich nach hinten beugt, wird kurz eingeatmet, dann das Becken nach vorne geschoben (siehe Foto) und gleichzeitig mit dem Zurückbeugen ausgeatmet.
Beim Zurückgehen in die Senkrechte wird zuerst wieder den Kopf angehoben und dann, während der Aufricht-Bewegung, ausgeatmet.

Wenn man sich auf diese Art bewegt, merkt man die Stärke in den Bewegungen.

Atmung ist auch abhängig von der Körperhaltung. Wenn man krumm sitzt oder der Körper hart und verspannt ist oder Knochenfehlstellungen aufweist, ist eine tiefe Atmung nicht möglich.

Dezember 2011, Kenji Hayashi                                                                       nach oben zum Seitenanfang

 

Ukashi   (Bedeutung: schwebend, schwimmend)

Jede Taido-Technik sollte Ukashi beinhalten, das heißt, der Körper des Angreifers sollte nach oben, „zum Schweben“, gebracht werden. Denn Ukashi ist notwendig, um einen Angreifer ohne Kraft zu werfen, zu fixieren oder zu Boden zu bringen. Für den fallenden Partner entsteht auch ein gutes Gefühl, verbunden mit Zufriedenheit, da er spürt, dass er wirklich, zwingend, fällt und nicht “mitgehen“ muss. Wenn bei einer Technik Kraft und Gewalt eingesetzt wird, dann ist das nicht Technik, sondern nur Kraft.

Für jeden, der sich mit Budo auseinandersetzt, taucht die Frage auf, ob es wirklich möglich ist einen Angreifer ohne großen Einsatz von Muskelkraft zu werfen, bzw. einen körperlich überlegenen Partner zu werfen. Ausklammern möchte ich die Möglichkeit, einen Angreifer durch geistige Ki-Kräfte zu leiten und in eine Wurfposition zu bringen. Bei einem Menschen mag dies vielleicht möglich sein, aber wenn es sich um einen schweren Gegenstand, wie Holzstamm oder Stein, handelt, geht das nicht. Dann ist physikalische Kraft, bzw. Technik notwendig. Wenn man körperlich geschickt ist, sich in Bezug auf körperphysikalische Gesetze richtig bewegt, dann ist das der Beginn von Technik.

Wir sind Menschen und zu unserem Leben gehört beides, physikalische und geistige Kraft. Unsere Geisteshaltung wirkt auf unseren Körper ein und unser Körper beeinflusst unseren Geist. Wenn wir beim Budo durch die Techniken lernen unseren Körper gut zu bewegen, schulen wir auch unseren Geist. Wir lernen auch den Ki-Energiefluss in unserem Körper kennen, lernen ihn zu spüren. Darum hat Budo für mich einen sehr hohen Stellenwert im Leben.

Anhand von Taido möchte ich jetzt erläutern, wie eine Technik ohne Krafteinsatz möglich ist. Beispiel: der Angreifer schlägt von oben (Shomen-uchi), stößt (Chudan-tsuki) oder umfasst fest beide Hände (Morote-tori). Der Angreifer, bzw. seine Kraft und sein Schwerpunkt muss jetzt nach oben gebracht/geführt werden, so dass die Fersen sich vom Boden lösen und er auf Zehenspitzen steht. Ich nenne dieses „Schweben“ Ukashi. Bei Ukashi steht der Angreifer sehr wackelig und kann leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden.

Beim Seiza (Fersensitz) wird dann entsprechend das Gesäß, und damit der Schwerpunkt des Angreifers, nach oben gebracht. So gesehen ist es eine rein körperliche, physikalische Technik. Wenn der Schwerpunkt aber im Mittelpunkt des Angreifers bleibt, dann ist Kraft notwendig, um den Partner zu werfen. Oder man muss ihm Schmerzen zufügen, zum Beispiel durch einen Hebel oder Stoß (Atemi). Das heißt für mich, dass die Technik nicht richtig wirkt. Dadurch ist es dann für einen starken Angreifer leicht möglich zu sperren und mit einer Gegentechnik den Partner zu werfen.

Beim Judo heißt es immer: vor einem Wurf muss der Partner aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Ich denke beim Taido gibt es ähnliche/gleiche Punkte, um das zu erreichen.
Beim Taido bringe ich meinen Partner/Angreifer spiralig nach oben in den Zehenstand, zum Ukashi, und so aus dem Gleichgewicht. Dadurch wird seine Angriffskraft gleich Null und ich kann den Partner nun nach meinen Vorstellungen führen, zu Boden bringen oder werfen. So ist keine Kraft notwendig und Schultern und Arme können locker und entspannt bleiben.

Gute Übungstechniken für Ukashi sind:    -    Ikkoshin  mit Angriff  Morote-tori  (s. Fotoalbum mit Techniken)
                                                              -    Ikkoshin  mit Angriff  Ryote-tori 

Bei diesen Übungen ist die Körperhaltung ein sehr wichtiger Punkt. Im Stand soll die Haltung gerade sein und der Schwerpunkt muss vorne auf dem Ballen des Großen Zehs liegen.
Wenn zum Beispiel der Partner eine Hand festhält und von oben drückt, dann setzt man meist die Armmuskelkraft ein, um die Hand zu heben. Es sollen aber stattdessen die Becken- und Bauchmuskeln eingesetzt werden. Auch die Handgelenkbewegung ist entscheidend. Für diese spezielle Gelenkbewegung werden beim Taido  Koi- und Ai-no-te-Bewegungen geübt.

Trotzdem ist es normal, dass ein Anfänger den Arm nicht (ohne Kraft) heben kann, wenn der Partner stark zufasst. Um die Technik aber trotzdem zu üben, sollte der Angreifer anfangs nicht zu fest halten, denn dann kann der Anfänger ohne Kraftaufwand in Arm und Schultern, die Technik üben. Mit der Zeit entwickelt er dadurch ein gutes Körpergefühl: ein Gespür für die Atmung, die richtige Körperhaltung, den Schwerpunkt und für die Haltung von Handgelenk und Ellenbogen. Auch für den Angreifer ist es gut, anfangs der Bewegung zu folgen.

Irgendwann, zufällig, kann der Übende die Hände leicht heben, die Technik ist richtig. Mit der Zeit kommt das öfter vor und es entsteht ein Gefühl für die Technik. Es ist nicht möglich dieses Gefühl zu entwickeln, wenn man mit Körperkraft wirft und dann findet auch keine Weiterentwicklung statt. Wenn mit Kraft geworfen wird, gibt es immer irgendwann eine Grenze. Ist der Angreifer besonders groß und schwer und stark, dann ist es sehr unbefriedigend, Gewalt anstatt Technik einzusetzen.
Das ist mir besonders bei Shihonage klar geworden. Darum habe ich mich sehr intensiv mit dieser Technik auseinander gesetzt. Ich habe herausgefunden, das Ukashi, bzw. Ähnliches, in der Budotradition vorhanden ist und schon früher unterrichtet wurde, vielleicht als Geheimtechnik (s. Koi-no-te, Teil 1, Sokaku Takeda).

So ist bei Hebeltechniken wie Shihonage oder Ichi-no-te nicht ein schmerzender Punkt für die Wirksamkeit der Technik ausschlaggebend, sondern das Aushebeln des Schwerpunkts. Der ganze Körper des Angreifers wird beeinflusst und aus dem Gleichgewicht gebracht. Außerdem ist der Ukashi-Zehenstand für den Körper gesund und die Körperentwicklung und Atmung werden positiv beeinflusst.

Januar 2012, Kenji Hayashi                                                                      nach oben zum Seitenanfang

 

Liegestütze, Gesundheit und Budo

In meiner Jugend konnte ich keine Liegestütze oder Klimmzüge, ich hatte auch keine Lust zum Üben und habe mich davor gedrückt. Dabei gehören Liegestütze oder Klimmzüge zum üblichen Trainings- und Fitnessprogramm.
Vor ca. 10 Jahren habe ich (noch mal) bewusst festgestellt, dass ich nicht mal einen Liegestütz ohne Probleme ausführen kann. Das rechte Handgelenk war hart und tat mir weh, Schulter und Schulterblatt waren steif und unbeweglich. Zu dieser Zeit wurden meine Augenprobleme auch immer stärker.
Wenn ich dann trotz allem beim Kindertraining 10 Liegestütze machte, waren hinterher meine Augen blutunterlaufen, weil mir vor Anstrengung im Auge eine Ader geplatzt war. „Ich bin wahrscheinlich zu alt“, habe ich gedacht, denn was sollte ich gegen harte und steife Handgelenke und Schultern machen.


Als ich letztes Jahr im Frühjahr sehr krank war, habe ich mich auf Grund dessen noch einmal mit Körperhaltung auseinander gesetzt und fand, dass ich meine Brust mehr straff und gerade halten sollte. Das habe ich dann bei den Trainingsbewegungen, wie beim Schwertschlagen oder Koi- und Ai-Bewegungen (s. unten Koi-no-te, Teil 2 ) bewusst gemacht. Dabei hatte ich das Gefühl, dass sich Hand- und Schultergelenk etwas lockerten.
Zeitgleich habe ich in Hakuin Zenjis* Texten über Naikan-ho** gelesen. Bei dieser Übung im Liegen ergibt sich automatisch, dass sich die Brust leicht spannt und die Schulterblätter nach unten/hinten gedrückt werden. Beim Üben hatte ich auch die Empfindung, dass sich der Kopf des Oberarmknochens gut in die Schultergelenkpfanne einfügte und dadurch die umgebenden Muskeln locker wurden. Ich fühlte, dass meine Arme gut durchblutet wurden und spürte einen besseren Energiefluss. Meine Schultern fühlten sich gut an. Jetzt wollte ich noch einmal Liegestütze ausprobieren. Ja, es ging besser! Auch die Handgelenke fühlten sich lockerer an. Nach 3-4 Liegestützen habe ich aber aufgehört, um zu sehen, ob ich davon nicht doch wieder Augenprobleme bekommen würde. Aber das war nicht der Fall. Darüber war ich sehr glücklich. Nun konnte ich schon 10 Liegestütze machen, ohne dass mir die Adern in den Augen platzten.

Für mich sind Liegestütze darum nicht unbedingt ein Krafttraining. Natürlich werden dadurch die Rücken-, Bauch- und anderen Muskeln gestärkt, aber für mich sind sie in erster Linie ein Mittel, um Schultern und Handgelenke zu lockern.
Es ist aber wichtig, nicht zu übertreiben. Es ist nicht notwendig, viele Liegestütze zu machen, wichtiger ist es, auf seinen Körper zu hören und nur so zu üben, dass es sich angenehm anfühlt (siehe Sotaiho-Prinzip). Dass heißt, am Anfang sollte man nur wenige oder wenn es nicht geht, dann keine Liegestütze machen. Aber dadurch ist klar, dass im Körper ein Problem vorhanden ist, gegen das mit Hilfe von anderen Übungen etwas getan werden muss, z. B. durch „Liegestütze“ im Stehen gegen eine Wand oder andere Sotaiho-Übungen.

Oft kann ich bei anderen sehen, dass Schultern und Schultergelenke wahrscheinlich hart sind, weil die Haltung schlecht ist und die Schultern zu sehr nach vorne hängen. Dadurch wird ein Zug auf die Nacken- und Rückenmuskeln ausgeübt. Die Spannung wirkt sich oft auch negativ auf Ohren, Nase, Augen und Hände (kalt, fühllos) aus.
Die nach vorne hängenden Schultern stehen auch im Zusammenhang mit den Hüftgelenken, beeinflussen sie und damit dann den ganzen Körper
.
Weitere Auswirkungen können eine flache Atmung und eine, mit der nach vorne gekrümmten Haltung in Zusammenhang stehende, negative Lebenseinstellung sein.

Liegestütze betrachte ich darum mehr aus medizinischer Sicht, nicht so sehr als „Muskelübung“. Sie helfen Probleme zu erkennen und geben uns damit die Möglichkeit, die Probleme zu beseitigen und dadurch einen gesunden, beweglichen Körper zu erhalten.
Ein gesunder Körper ist Voraussetzung, um ein gutes Budo zu praktizieren.


*  Hakuin Zenji; japanischer Zenmeister,* 1686  bis  † 1769
**  Naikan-Übung: auf dem Rücken liegen, beide Beine strecken,die Zehen anziehen (als ob man gegen etwas tritt)
     und dann durch den Sokushin-Punkt ein- und ausatmen.   

        Februar 2012, Kenji Hayashi                                                               
                                                                                            
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